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390 Jahr Zeller Fasnacht – das große Jubiläum steht bevor

Das 390-jährige Jubiläum wird am 21. und 22. Januar 2017 mit einem großen Freundschaftstreffen gefeiert. Grund genug, uns mit der Historie der Zeller Fasnacht zu beschäftigen, denn in weitem Umkreis, kann keine Ortschaft auf eine solch lange fasnächtliche Tradition zurückblicken. Nur die Basler Fasnacht existiert schon wesentlich länger.

Entstehung der Fasnacht

Die „Fastnacht“ hat ihre Wurzeln im Mittelalter. Im 13. Und 14. Jahrhundert begannen die Menschen die Nacht vor der Fastenzeit – die Fast-Nacht – ausgelassen zu feiern. Eine Entwicklung, die sich aber auf die großen Städte beschränkte. So ist 1285 in Basel eine „vasinat“ belegt. Aber nicht nur das Feiern stand im Mittelpunkt, sondern auch der Unmut gegen die Obrigkeit und vor allem gegen die Kirche wurde in dieser Nacht mit rüden Mitteln zum Ausdruck gebracht. Deshalb war die Fasnacht auch immer mit Randale und Krawallen verbunden. Treibende Kräfte waren damals die Handwerkszünfte, die die Fasnacht „organisierten“. Allen voran die Metzgerzünfte, denn die sahen sich in der bevorstehenden Fastenzeit um ihrer Einkünfte gebracht, weil das Essen von Fleisch von der Kirche verboten war. Sie haben deshalb „d’Sau usse glo“, also versucht alles zu verkaufen, was sonst in der Fastenzeit verdorben wäre. Aber auch die Kirche hat es nicht ungern gesehen, wenn sich das gemeine Volk für einen Tag, beziehungsweise eine Nacht ausschweifend ausgetobt hat. Denn umso reumütiger kamen die Menschen am Aschermittwoch wieder zurück in die Kirche und man hoffte ein Jahr lang wieder auf treue Schäfchen.

Die Geschichte der Zeller Fasnacht

Wann in Zell erstmals Fasnacht gemacht wurde, liegt völlig im Dunkel der Geschichte. Es ist aber anzunehmen, dass es wesentlich später als in den Städten gewesen sein muss.
Der erste Nachweis der Zeller Fasnacht stammt aus dem Jahr 1627. Da hatte die Regierung in Wien ein Schreiben an die vorderösterreichische Landesregierung in Freiburg verfasst, in dem das “überzogene Fastnachtstreiben mit Vermummungen“ angeprangert wurde. Die Behörden der Landeshauptstadt von Vorderösterreich wurden angewiesen, diesem Treiben in Zell ein Ende zu bereiten.

Wie und ob diese Anweisung  umgesetzt wurde, ist nicht bekannt. Aber dieses Dokument gilt als erster schriftlicher Nachweis einer Fasnacht in Zell. Es wird im Generallandesarchiv in Karlsruhe aufbewahrt. Danach gibt es keine Belege über ein Fasnachtstreiben in Zell. Es ist aber davon auszugehen, dass fasnächtliche Bräuche, wie zum Beispiel das Scheibenschlagen, durchgeführt wurden.

Im Jahr 1759 gibt es wieder einen dokumentierten Vorgang. Nach einer Visitation durch katholische Missionare mussten der Pfarrer, der Vogt und der Amtmann von Zell schriftlich bestätigen, künftig dafür Sorge zu tragen, dass „das unnötige Scheibenschlagen und das Feiern von Fastnacht abzustellen ist.“ – Ob dies je gelang, ist aber zu bezweifeln.

Erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kann dann wieder, wenn auch spärlich, auf Dokumente zurückgegriffen werden.

Die Fasnacht wurde mindestens ab 1870 von den Zeller Vereinen organisiert, die sich dabei gegenseitig unterstützten. Sicher gab es ab 1875 die ersten „Schauzüge“, wie man die Fasnachtsumzüge damals nannte. Tanzveranstaltungen in den Zeller Wirtschaftssälen fanden ebenfalls statt, wie auch so genannte „Bunte Abende mit Belustigung“. Durch den Ersten Weltkrieg kamen sämtliche fasnächtlichen Aktivitäten zum Erliegen. Erst 1925 wurde in Zell wieder eine Fasnacht organisiert.

Wann genau die Zeller Fastnachtsgesellschaft gegründet wurde, lässt sich nicht zweifelsfrei feststellen. Es könnte bereits 1925 gewesen sein, der erste schriftliche Beleg stammt allerdings von 1927. Bereits 1938 trat die Fastnachtsgesellschaft Zell dem Verband Oberrheinischer Narrenzünfte (VON) bei, der erst ein Jahr zuvor gegründet wurde. 1938 ist auch das Gründungsjahr der Zeller Schrätteli, die ihren ersten Auftritt im gleichen Jahr am Oberrheinischen Narrentreffen in Karlsruhe hatten. Ein Jahr später, 1939, beantragte die Fastnachtsgesellschaft Zell beim VON, trotz des inzwischen ausgebrochenen Zweiten Weltkriegs, den nächsten Oberrheinischen Narrentag ausrichten zu dürfen. Es sollte über zehn Jahre, bis 1950, dauern, bis tatsächlich der erste Oberrheinische Narrentag in Zell im Wiesental stattfinden konnte.

Bereits 1948 gab es wieder, trotz strengsten Verbotes durch die französische Militärkommandantur, einen Fasnachtsumzug und eine spontane und fröhliche Fasnacht. Die Besatzungssoldaten waren ob dieser Geschehnisse, Gott sei Dank, so irritiert, dass sie nicht eingegriffen haben. Ab 1949 war es dann, wie überall im Land, wieder möglich, „offiziell“ Fasnacht zu machen. Nach dem Oberrheinischen Narrentag 1950 richtete die Fastnachtsgesellschaft Zell 1970 ein großes Narrentreffen aus und im Jahr 2007 wurde mit einem Freundschaftstreffen 380 Jahre Zeller Fasnacht und 40 Jahre Zeller Hürus gefeiert. Das Freundschaftstreffen „390 Jahre Zeller Fasnacht“ soll ein weiterer Meilenstein in der langen Geschichte der Zeller Fasnacht sein.

Zeller Fasnacht heute

Ziemlich einzigartig ist der strukturelle Aufbau der Zeller Fasnacht, die von den einzelnen Vogteien getragen wird. Erstaunlich ist, dass diese Struktur teilweise schon Bestand hatte, bevor die Fastnachtsgesellschaft  in den 1920-er Jahren entstand. Bereits 1897 wurde beispielsweise die Talvogtei Grönland gegründet. Vermutlich existierten auch bereits die Vogtei Paradies und die Vogtei Schwyz vor der Gründung der Fastnachtsgesellschaft.

Offizieller Auftakt der Zeller Fasnacht ist seit den 1920-er Jahren der Ölfte Ölfte, ein Abend, der die Besucher mit einem närrischen Programm unterhält und dessen Höhepunkt um Mitternacht jeweils der Einmarsch des neuen Fasnachtsregenten ist. Vor 1966 war dies der „Prinz Carneval“. Am Ölfte Ölfte 1966 wurde erstmals der „Zeller Hürus“ präsentiert.
Nach dem 6. Januar beginnt dann jeweils die sogenannte Saalfasnacht. Das sind im Wesentlichen die Chappeobe der einzelnen Vogteien, aber auch fasnächtliche Veranstaltungen von Vereinen. Mit dem Hemdklungiumzug am Faiße Dunschtig startet dann die Straßenfasnacht. Es folgen Fasnachtsumzüge am Fasnachtssonntag und -montag. Abends findet am Sonntag der Hürusball und am Montag der Vogteienball statt. Der Höhepunkt am Fasnachtsdienstag ist das Altwiberrenne. Anschließend übernehmen die alte Wiber das Regiment in der Stadt und streunen schnurrend und strählend durch die Gaststätten.
Alti Wiber sind eine traditionelle Figur der Zeller Fasnacht, die Anfang der 1900-er Jahre entstanden ist. Oft hatten die Fabrikler des Arbeiterstädtchens Zell nicht das nötige Geld, um sich aufwändige Kostüme schneidern zu lassen. So musste der alte Kittel oder die Schürze der Oma herhalten, eine Wachsmaske ins Gesicht, ein Tuch auf den Kopf und ein Kochlöffel in die Hand und schon zog man als Alti los.

Der Zeller Hürus

Eine sicherlich einzigartige Institution ist der Zeller Hürus, dessen Regentschaft am Ölfte Ölfte beginnt und am Fasnachtsdienstag, Schlag 24 Uhr, endet, wenn er seinen Hut und das Zepter, unter großem Wehklagen der Anwesenden, abgeben muss.

Die Figur des Hürus ist geschichtlich eng mit Zell verbunden. Die Adligen, die seit dem frühen Mittelalter über Jahrhunderte das Sagen über Zell hatten, trugen oft den Beinamen Hürus, was soviel wie „großer, starker Mann“ bedeutete. Die Zeller hatten zu diesen Hürussen oft ein gespaltenes Verhältnis. Denn die Hürusse waren einerseits die, die Recht sprachen, andererseits  aber auch die, welche Abgaben, von Naturalien über Zehnte bis zu Frondiensten, abverlangten. Über Jahrhunderte gab es immer wieder belegte Streitereien zwischen den Zellern und ihren Hürussen. Diese „Streitereien“ leben heute noch immer auf, wenn der Hürus die einzelnen Vogteien an ihren Chappeobe besucht. Der eine oder andere Untertan versucht dann aufzubegehren und es obliegt dann der Schlagfertigkeit des Hürusses zu zeigen, wer das Sagen hat. Auf diese Weise kommt es zu höchst unterhaltsamen und närrischen Wortgefechten, die aber stets versöhnlich ausgehen. Denn eines ist sicher in Zell: Der Hürus hat einen sehr hohen Stellenwert und es ist der Traum eines jeden Zeller Fasnächtlers, einmal im Leben Hürus sein zu dürfen. Und die Zeller in allen Vogteien sind sich hundertprozentig einig, wenn sie gemeinsam im Hüruslied singen: „… für uns do git’s de Hürus nur, do git’s kei Polizei.“

Die „Herren von Altenstein“, wie sich die ehemaligen Hürusse nennen, sind eine verschworene Gemeinschaft, die sich alljährlich am „Tage vor Palmarum“ treffen und dort den jeweils letzten Hürus in den erlauchten Kreis aufnehmen. Einmal Hürus gewesen zu sein, heißt in Zell aber nicht nur, dass man für eine Fasnacht im Rampenlicht stand, sondern es ist auch Verpflichtung sich für die Fasnacht und für Zell nach der Regentschaft einzubringen. So kommt es nicht von ungefähr, dass es in Zell oft ehemalige Hürusse sind, die sich auf kulturellen, sportlichen oder sozialen Gebieten engagieren

Uli Merkle – Zeller Fasnacht

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