der Wiesental-Krimi / Dez. 2016, Regionales aus der Redaktion
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Auf den Spuren des Wiesental-Mörders

1) wiesental-moerder-weinachtsgeschichte-titelbild-kapitel-nr-01Lisa Hämmerle sitzt in der überfüllten S6 Richtung Zell. Von links und rechts ertönt ein ihr fremdartiger Dialekt: „Sunne schient aber schön, hüt hän ma bstimmt Alpesicht uf em Belche obe“ Was hatte sie nur falsch gemacht, um hier zu landen. Einst bei der Kripo der Landeshauptstadt angestellt, wurde sie nun in die südwestlichste Schlaf-Region Deutschlands versetzt: „Großgemeinde Wiesental“. Das klingt ja schon nach purer Action! Warum musste das gerade ihr in ihren jungen Jahren mit gerade mal 31 passieren? Sie würde hier eingehen. Das war ihr jetzt schon bewusst. Sie schaut leicht genervt auf ihre Armbanduhr: 1. Dezember 2046, 14:06 Uhr. Mist! Nun würde sie auch noch zu ihrer ersten Amtshandlung zu spät kommen: Der Eröffnung der neuen Belchenbahn-Verlängerung von Schönau nach Multen. Nicht, dass sie sich darum gerissen hatte diese polizeilich zu begleiten – zudem sie sich kaum vorstellen konnte, dass sich da oben etwas Kriminelles ereignen könnte – aber sie freute sich immerhin auf die schöne Aussicht der Berge.

Ihr Smartphone klingelt. Das Polizeipräsidium Schopfheim gibt eine allgemeine Warnung an alle Kollegen durch, dass der Bau der Belchenseilbahn-Verlängerung nach Schönau nicht bei allen Anwohnern auf Zustimmung stieß und mit etwaigen Querulanten zu rechnen sei. „Eigensinnige Dörfler“, dachte sich Lisa. Warum sollte sich denn jemand um eine Verlängerung einer Seilbahn scheren? In Zell steht bereits ihr neuer Partner Willi Weber mit dem Streifenwagen und zwei dampfenden Tassen Kaffee da. Lisa hastet zu ihm hin und entschuldigt sich für ihre Verspätung. „Scho recht. Cha jo jedem mol passiere“ brummt er und setzt sich ins Auto. Willi ist ein wenig untersetzt, trägt einen Bart und scheint ein schweigsamer Typ zu sein. Während der Fahrt weist er Lisa in die Besonderheiten der Region sowie der heutigen Veranstaltung ein. Für die Tourismusorganisation Schwarzwaldregion Belchen ist heute ein ganz besonderer Tag, denn die Einweihung des neuen Seilbahnabschnittes sei eine der größten Investitionen in der Region, die durch touristische Mehreinnahmen große Früchte tragen soll. Erst kürzlich wurde hier oben auch das neue Belchenhotel eingeweiht.

In Schönau angekommen, blickt Lisa auf das 22-Millionen-Projekt: gelbe, rundliche Kabinen, in einer malerischen Umgebung von Bergen und Natur. Zur Eröffnung hatte sich die ganze Prominenz der Region versammelt. Das Rampenlicht galt dem Großinvestor Igor Reichert, der die Eröffnung mit einer visionären Rede eröffnete und zur ersten Fahrt in der neuen Seilbahn einlud.

Währenddessen saß Herbert auf einem der abgelegenen Jägerhochsitze auf dem Belchengipfel und beäugte das Geschehen verachtungsvoll mit seinem Fernglas. Noch nie hatte er sich so missverstanden gefühlt. Noch nie pochte sein Puls so stark empor, dass er dachte, sein Kopf müsse gleich explodieren. Noch nie, war er so konzentriert und wartete ab.

Auf dem Gipfel angekommen, begrüßte die Stadtmusik die Gäste mit einem Ständchen zu Ehren der neuen Seilbahn. Wie kitschig, dachte sich Lisa und ließ ihren Blick über die Gegend schweifen. Alles schien friedlich. Keinerlei Anzeichen für missmutige Gegner. Sie blickte zu ihrem Partner Willi, der zum Rhythmus der Musik heiter in die Hände klatschte und seinen Spaß zu haben schien. Und das obwohl er damals auch gegen den Bau der Bahn war. Nun musste sie nur noch den Sektempfang im neuen Hotel überstehen und konnte endlich verschwinden. Welch eine Vergeudung ihrer Zeit!

Kurz vor Ankunft in dem neuen Hotel kippte allerdings die Stimmung: Der Eingang wurde von gut zwanzig Menschen mit Schildern und groß ausgedruckten Panoramabildern versperrt. Auf den Schildern war zu lesen „Gegen die Bahn, für die Natur“, „Stoppt den Massentourismus“. Lisa entwich ein Lächeln auf ihrem Gesicht.  Das würden ihr die Kollegen in Stuttgart nie glauben. Eben bahnte sie sich mit Willi den Weg frei zu den Demonstranten als ihnen Herr Reichert zu vorkam. Er schlug allen vor sich erst einmal zu beruhigen und bei einem Glas Sekt im Warmen die Situation zu besprechen. Das erzürnte die Menge nur noch mehr. „Ihr Sekt macht den Bau auch nicht ungeschehen“, „Sie haben gut reden, sie wohnen ja nicht einmal hier und entscheiden über unsere Zukunft“, „Sie machen die ganze Region kaputt.“ Wildes Gebrabbel ging los.

Ein dunkles Lachen entfuhr Herbert. Er konzentrierte sich wieder, zielte und ließ los.

Mitten im Gemenge ertönte ein lauter Schrei und ein dumpfer Aufprall war zu hören. Was Lisa dann sah, ließ ihr sämtliches Blut aus dem Gesicht entweichen. Zum ersten Mal war Stille eingekehrt. Reichert fiel auf die Knie, Tränen liefen über sein Gesicht als er den toten Körper seiner Tochter in seine Arme nahm. In ihrem blutdurchtränkten Körper steckte ein Pfeil. An ihm befestigt eine Botschaft.

wiesental-moerder-weinachtsgeschichte-titelbild-kapitel-nr-01-ergebnisWas stand auf dem Zettel?

(A)  Ihr zerstört unsere Heimat – ich zerstöre euch! Und das ist erst der Anfang!
(B)  Jetzt weht ein anderer Wind! (Hinweis für Leser: nächster Tatort: Windräder Rohrenkopf)

Eine Abstimmung für das erste Kapitel ist nicht mehr möglich!

Alle Teilnehmer der ersten Abstimmung nehmen an der Verlosung am 1. Weihnachtstag teil. Die Gewinnchancen erhöhen sich nach jeder Teilnahme. Sie können jeweils eine Stimme für ein weiteres Kapitel abgeben!


2)wiesental-moerder-weinachtsgeschichte-titelbild-kapitel-nr-02Alle zur Seite“ rief Lisa Hämmerle. Sie nahm den Zettel in die Hand, auf dem stand in Großbuchstaben: „Ihr zerstört unsere Heimat ich zerstöre euch! Und das ist erst der Anfang!“. Nach dem sich die Nachricht des Mordes wie ein Lauffeuer auf dem Belchen verbreitet hatte, brach Panik aus. Alle rannten aufgeregt zur Bergstation, drängten sich in die gelben Kabinen, alle wollten so schnell wie möglich weg. Die Angst vor einem erneuten Mord war groß. Willi Weber hatte bereits Verstärkung angefordert. Der Tatort war abgesichert worden, der Vater der Toten wurde betreut. Allen Besuchern des Festes wurde klargemacht, dass sie sich in den nächsten zwei Tagen als Zeugen auf dem Polizeipräsidium melden müssten. Die aufgeregte Stimmung legte sich schon bald als bis auf die Polizei keiner mehr auf dem Gipfel war. Die Spurensicherung war im Einsatz, doch erfolglos. Keine Zeugen. Keine Spuren. Keine Hinweise.

Währenddessen war Herbert so unbemerkt verschwunden wie er aufgetaucht war. Er fuhr bereits zurück in sein Schlafdorf Höll, wo bereits der Abend eingekehrt und die Sonne am Himmel verschwunden war. Er spazierte im Dunkeln durch die Gassen des kleinen Dorfes, mehr betrübt als vergnügt und blickte auf die leerstehenden Häuser und Geschäfte. Dort drüben war einst der Dorfladen gewesen, in dem sich die Bürger für ein Schwätzchen trafen. Doch das ist schon lange her. Wegen den Zentralisierungsmaßnahmen starb das Dorf immer mehr aus. Bis auf Herbert wohnen hier nur noch ein paar wenige. Die Zentralisierungsmaßnahmen nahmen Herbert alles: seine Freunde, sein Umfeld, seinen Job. Alle zogen sie in diese sogenannte „Großgemeinde Wiesental“. Herbert schnaubte verächtlich. Er war einer der wenigen, der sich gegen diese Maßnahmen zur Wehr setzte. Aber ohne Erfolg. Eigenbrötler nannten sie ihn. Konservativ. Irgendwann gab er es auf und zog sich immer weiter zurück. Doch der Schmerz saß tief. Ein paar Häuser weiter steht ein Bauernhof, in dem heute auch keiner mehr wohnt. Aber damals noch wohnte hier sein Freund, mit dem er sich fast täglich zum Spielen getroffen hatte: Willi Weber, der heute Polizeikommissar ist und in die Stadt gezogen ist. Das konnte Herbert ihm nie verzeihen! Der Kontakt wurde immer weniger und brach letztlich ab. Heute ließt Herbert nur noch in der Zeitung von ihm. Der heimatverliebte und naturverbundene Herbert aber blieb. Einsam und zurückgezogen lebt er in seinem alten Bauernhaus, betrübt und bekümmert darüber, was mit seiner Heimat geschieht. Er hatte alles in seiner Macht Stehende versucht, um das Aussterben seines Dorfes zu verhindern. Aber auf normalem Wege war es ihm nicht gelungen. Keiner hörte ihm zu. Doch das würde sich jetzt ändern! Schon lange plante er diesen Rachefeldzug. Und das war erst der Anfang. Mit einem kleinen Grinsen im Gesicht legte er sich an diesem Abend ins Bett, wohlwissend, was in den nächsten Tagen noch geschehen wird.

Im Polizeipräsidium Schopfheim – der Zentrale des Landkreises – ermittelte man die nächsten Tage hochkonzentriert und voller Energie rund um die Uhr, um herauszufinden, wer der Täter sein könnte. Doch es gab keinerlei Hinweise. Hämmerle, Weber und ihr extra zusammengestelltes Kripo-Team zerbrachen sich die Köpfe, suchten nach Motiven, nach jedem noch so kleinen Hinweis – ohne Erfolg. Der einzige kleine Hinweis war der Zettel sowie die Tatwaffe: Peil und Bogen. Sie befragten bereits sämtliche Bogenclubs in der Region. Doch auch das half nicht weiter. Einen solchen Pfeil und Bogen verwendete man in den Clubs nicht.

Zwei Tage nach dem Mord auf dem Belchen klingelte das Telefon in Hämmerles neu eingerichtetem Büro. Während sie zuhörte verwandelte sich ihre Miene immer mehr in einen Schockzustand. „Ja, wir kommen sofort“. Sagte sie nur. Ein junger Jogger hatte am Ufer der Wiese eine weitere Leiche einer jungen Frau gefunden. So schnell sie nur konnten waren Hämmerle und Weber am Tatort. Die Bäume und das Ufer waren noch im Nebel versunken, düster und kalt war es an diesem Morgen. Und wieder steckte in der Leiche ein Pfeil mit einer Botschaft. „Also ein Serienmörder“, murmelte Weber in seinen Schnauzer. Lisa Hämmerle nickte ihm nur stumm zu. Sie konnte es nicht fassen. Jetzt war sie gerade mal ein paar Tage hier und musste schon in zwei Morden ermitteln. Ihre Fassungslosigkeit war ihr anzusehen, doch schnell fasste sie sich wieder und fand zurück in die Phase der puren Konzentration. Schließlich war jetzt alles daran zu setzen, den Mörder zu finden und weitere Morde zu verhindern.

Die Spurensicherung war bereits mit der Untersuchung zugange, der junge Jogger wurde befragt und betreut. Er hatte die Leiche am frühen Morgen bei seinem täglichen Lauf entdeckt, hier an der Wiese zu Schopfheim. Doch dieses Mal sei nicht der Pfeil selbst die Tatwaffe gewesen, sondern ein spitzer Stein, mit dem die junge Frau erschlagen worden war. Der Pfeil diente nur als Halterung für die Botschaft und wurde der jungen Frau brutal in die Brust gerammt. Hämmerle ging wieder zum Pfeil, las, was auf dem Zettel stand: „Jetzt weht ein anderer Wind“. Was das wohl bedeuten mag?

Sie erinnerte sich an die erste Botschaft und versuchte zu kombinieren, was hat diese junge Frau bitteschön mit der Zerstörung der Heimat zu tun? Warum musste es genau sie treffen? Das alles sollte man so schnell wie möglich im Präsidium herausfinden. Auch an diesem Tatort wurden wieder keine Spuren und keine weiteren Hinweise gefunden. Die Hoffnungslosigkeit auf eine schnelle Täterfindung war der Kommissarin anzusehen. Auch Willi Weber schüttelte nur noch den Kopf.

Herbert saß derweil wieder im Bus, einen dampfenden Kaffee in der Hand und ein süffisantes Lächeln auf dem Gesicht. Willi tappt absolut im Dunkeln! Der ach so gelobte „Starkommisar“ der Region hat absolut keinen Clou! Herbert hatte keinen Fehler gemacht, das wusste er! Er hat den Tatort sorgfältig aufgeräumt und trug immer Handschuhe, um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen. Er würde es ihnen nicht leichtmachen! Und diese Joggerin hatte es allemal verdient zu sterben! Er nippte an seinem Kaffee und schloss die Augen.

wiesental-moerder-weinachtsgeschichte-titelbild-kapitel-nr-02-ergebnisWer ist die junge Frau – das Opfer?

A) Eine Geschäftsführerin eines großen Chemiekonzerns.
B) Eine weitere Investorin eines großen Bauprojekts.
C) Eine Politikerin aus dem Gemeinderat, die die Zentralisierungsmaßnahmen forciert hat.
D) Eine ehemalige Geliebte von Herbert, die sich von ihm getrennt und in die Stadt gezogen war.

Eine Abstimmung für das zweite Kapitel ist nicht mehr möglich!

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3)

wiesental-moerder-weinachtsgeschichte-titelbild-kapitel-nr-03Die gerichtsmedizinische Untersuchung ergab endlich Klarheit und identifizierte die tote Joggerin als Christel Möller, eine Lokalpolitikerin aus dem Gemeinderat, die die Zentralisierungsmaßnahmen in der Großgemeinde Wiesental forciert hatte. „Glaubst du also der Mord an ihr war politisch orientiert?“ fragte Lisa. „Cha scho möglich si“. Willi konnte sich noch gut an sie erinnern. Christel war eine sehr dominante Persönlichkeit. Immer mit dem  Kopf durch die Wand, komme was wolle! Seitdem sie eine Zeit lang im Gemeinderat von Karlsruhe ausgeholfen hatte, war sie vernarrt in die Idee, die kleinen Ortschaften aus der Region zu einer „Großgemeinde Wiesental“ zusammenzuschließen. Sie argumentierte, dass sich dadurch die kommunale Infrastruktur sowie der öffentliche Nahverkehr verbessern würde, sowie die Bildungsangebote und die medizinische Versorgung konzentriert werden könnte. Letztlich sollte dadurch auch die regionale Gastronomie und der Schwarzwald-Tourismus angekurbelt werden.

Doch nicht alle waren von ihrem Vorhaben überzeugt. Eine kleine Gruppe – liebevoll von den anderen „Eigenbrödler“ genannt – hielt nichts von dem „modernen Schnickschnack“. Sie wollten das Wiesental gerne so erhalten wie es ist. „Aber wieso stellt sich denn jemand gegen eine bessere Zukunft?“ fragte Lisa. „nun ja“ holte Willi aus: „Du kommst aus einer Großstadt und kennst das Leben auf dem Land nicht. Aber für uns Wiesentäler bilden Vereinsleben, Dorfgemeinschaft sowie urige Bauernfeste einen Teil unserer Identität. Und diese wird durch die Zentralisierungsmaßnahmen zerstört. Man sieht es schon jetzt. Einzelne Dörfer sterben aus, die Menschen ziehen alle in die Stadt, Dorfläden müssen schließen und und und…“ Willi schaute betrübt aus dem Fenster. Lisa unterbrach ihn nur ungerne: „Willi, kannst du dich noch an die Menschen erinnern, die Möllers Pläne im Gemeinderat kritisiert haben? Das könnte eine erste Spur sein!“. „Aber sicher! Ich stelle dir eine Liste der Namen zusammen.“

Ein erster Hinweis! Lisa trank einen Schluck Kaffee und blickte auf die Landkarte der Region, in welche bunte Stecknadeln den Ort der Morde markierten. Daneben heftete sie die zwei Botschaften des Serienmörders. Sie musste weitere Morde verhindern! Die Presse ließ schon die Telefone heiß laufen und forderte eine Stellungnahme. Wenn sie nur selber wüsste was hier gerade passiert. Willi gesellte sich neben sie. In der Hand eine Liste von gut zwanzig Namen. Lisa überflog sie flüchtig und stockte bei dem letzten, drehte sich zu Willi und schaute ihn verwirrt an. „Aber Willi, wieso stehst du denn auf der Liste?“ „Auch ich war zunächst gegen die Zentralisierungsmaßnamen und habe mich im Gemeinderat als Wiesentäler-Bürger dagegen ausgesprochen. Es wäre nicht fair dir das zu verschweigen.“ Lisa überlegte kurz und sagte: „Das können wir zu unserem Vorteil nutzen! Sollte der Mörder wirklich unter ihnen sein, kennen wir durch dich sein Mindset, wissen was er denkt und kommen ihm vielleicht so auf die Schliche.“ Lisa nahm die Liste und ging zum nächsten Kommissar „Ich brauche sämtliche Informationen über diese Menschen. Findet alles raus, was ihr könnt. Wo sie leben, was sie arbeiten, welche Hobbys sie haben. Einfach alles! Jede noch so kleine Information, könnte ein Hinweis sein!“

Es wurde schon dunkel als Lisa die fertigen Personenberichte erhielt. Lisa und Willi nippten erneut an ihrem Kaffee und blickten auf die neuen Informationen. Nichts Auffälliges! Lisa  seufzte und schaute sich erneut die Botschaft an: „Jetzt weht ein anderer Wind“. „Was hat das mit Naturzerstörung zu tun? Wind ist doch etwas Natürliches.“ – „Stop!“ rief Willi und schaute Lisa mit großen Augen an. „Windkraft! Das ist es! Lisa du bist ein Genie!“ Er drückte sie fest, nahm hastig seinen Mantel und deutete ihr ihm zu folgen.

Im Auto erklärte er ihr seinen Geistesblitz: „Vor 30 Jahren gab es eine große Diskussion im Gemeinderat bezüglich des Baus von Windrädern auf dem Rohrenkopf. Es gab die typischen Argumente „saubere Energie“ vs. „Zerstörung der Landschaft.“ Du kannst dir ja ausmalen, wer für was gestimmt hat. Die Eigenbrödler waren dagegen, Christel Möller und Anhängerschaft dafür. Seither kamen immer mehr Windräder hin, die nun das Landschaftsbild prägen. Lisa hatte Mühe ihm zu folgen und sich gleichzeitig an der Armatur des Autos festzuhalten. „Willi, wieso rast du denn so?“ „Ich habe ein ganz ungutes Gefühl.“

Herbert hasste diese Windkolosse! Wie riesige Zahnstocher ragten sie empor und zerstörten das idyllische Landschaftsbild! Er würde sich an allen rächen! An allen, die diese bescheuerten Zentralisierungsmaßnahmen in Gang gesetzt haben. An allen, die sie sein Leben zur Hölle gemacht haben! Und seine nächsten Opfer marschierten schon unschuldig mit ihren lächerlichen Fackeln an den Windrädern vorbei. Herbert setzte den Pfeil an. Er wusste, dass die nächtliche Fackelwanderung durch den Energielehrpfad Gersbach immer einige Minuten an den Windrädern hielt, um über die Vorzüge in der Region zu berichten. Er schnaubte. Von wegen Vorzüge! Er zielte. Wen sollte er als erstes treffen? Er wusste das die Panik nach dem ersten Pfeil groß sein wird und er sich beeilen muss. Er ließ los. Ein Mal. Zwei Mal. Der dritte lief hilfesuchend umher…. „Bleib endlich stehen!“ dachte Herbert. Plötzlich näherte sich ein blaues Licht. Mist! Die Polizei! Aber er war noch nicht fertig! Sein Blut kochte empor und er spürte seine Schläfen pulsieren. In ihm schreite alles nach Jagd, doch sein Verstand rief zum Wegrennen auf. Als er Willi aus dem Polizeiauto steigen sah, erstarrte er für einen Moment. Dann konzentrierte er sich wieder, zielte und ließ los. Er sah, wie der dritte Mann leblos in die Arme von Willi sank. Die heutige Botschaft wird ihnen zu denken geben. „Stimmt mit mir ein!“ hatte er darauf geschrieben! Er warf noch einen letzten Blick auf seinen alten Freund, der jetzt zu seinem größten Feind geworden ist. „Komm mir nicht zu nahe, Willi – oder du wirst es bereuen“ flüsterte er in die Dunkelheit, als plötzlich das Licht einer Taschenlampe genau in seine Richtung leuchtete…

(A) Lisa Hämmerle hat ihn gesehen und rennt sofort hinterher.
(B) Herbert rollt sich schnell zur Seite und verschwindet unbemerkt.
(C) Willi schreit aus tiefster Seele „Wo auch immer du bist, wir kriegen dich, du kranker Mensch! Deine Morde verändern nichts!“

 

 

 Eine Abstimmung für das dritte Kapitel ist nicht mehr möglich!


4)Die Taschenlampe blendete Herbert. Er erschrak für einen kurzen Moment und dachte nur noch „Scheiße, gleich haben sie mich“. Ohne weiter nachzudenken, rannte Herbert so schnell er konnte durch den dunklen Wald. Sein Herz pochte. Er wollte noch nicht gefangen werden, er hatte noch etwas vor. Plötzlich verhakte sich sein Bogen an einem Ast, doch er hatte es in all der Eile gar nicht bemerkt. Ihm ging es nur noch darum, nicht gefangen zu werden. Alles andere war ihm in diesem Moment egal.

Willi schrie aus tiefster Seele: „Wo auch immer du bist, wir kriegen dich, du kranker Mensch! Deine Morde verändern nichts!“ Seine Verzweiflung war ihm gleichzeitig ins Gesicht geschrieben. Lisa ergriff die Initiative. Es war ihre Taschenlampe gewesen, die dem Täter ins Gesicht geblendet hatte. Doch sie hatte ihn nicht erkannt. Er war zu weit weg und hatte sich zu schnell wieder versteckt. Daraufhin rannte sie so schnell sie konnte, doch sie hatte keine Chance mehr. Und plötzlich war weit und breit nichts mehr von dem ihr unbekannten Mann zu sehen. Irgendwie war er ihr entkommen. „Er ist weg“, sagte sie verzweifelt zu Willi als sie wieder aus dem Dunkel des Waldes heraus kaum und den Tatort erreichte. Willi saß dort noch immer bei der geschockten Gruppe, dicht neben dem erstochenen Opfer und hatte bereits die Kripo und die Spusi alarmiert. „Verdammt“ dachte sich Lisa. Dieses Mal wollte sie ihn endlich schnappen. Es kann doch nicht wahr sein, dass dieser elendige Kerl ihnen jedes Mal entkommt. Dieses Mal war es knapp.

Herbert hatte es geschafft und war entkommen. Er erreichte seinen alten, klapprigen Geländewagen, der am Waldrand stand und fuhr fort. Erleichtert saß er im Auto und hatte erneut ein leichtes, gefälliges Grinsen im Gesicht. „Tja Willi, so einfach kriegst du mich nicht“, dachte sich Herbert als er im Dunkel der Nacht wieder zurück in sein Schlafdorf fuhr. Aus den Lautsprechern seines Radios erklang die Musik der „Wollitollis“, einer blutjungen Rockband, der neuste Schrei seit dem Jahr 2046. „Die spielen ja morgen auf dem verdammten Riesen-Festival im zerstörten Grütt in Lörrach. Da wird mein nächstes Opfer sein“, sagte Herbert laut vor sich hin und rieb sich triumphierend die Hände.

Als alle Einsatzkräfte den Tatort erreichten und die Gruppe versorgt war, machten sich Willi und Lisa erneut auf den Weg durch den Wald. Einige Zeugen hatten erkannt aus welcher Richtung die Pfeile geschossen wurden. Dieser Richtung folgten Willi und Lisa. Und nach nur ein paar Metern sagte Lisa: „Willi schau mal hier“. Sie hatte eine Feder und andere Teile des Bogens von Herbert in einem Ast gefunden.

Mit den Beweismitteln im Schlepptau gingen die Beiden noch in dieser Nacht weiter aufs Präsidium und setzten alles daran, den Täter zu finden. Herbert widmete sich seinen gewohnten und verstaubten Recherchemethoden. Die junge Lisa hingegen setzte auf die neuste Technik. Diese hatte sie schon in Stuttgart immer wieder eingesetzt. Mit einem ihrer neusten Errungenschaften konnte sie in Windeseile von jeder Materie DNA erkennen und somit jeden beliebigen Täter fassen. In diesem Jahrzehnt war auch jeder bereits Vorbestrafte mit seiner DNA in den Systemen der Ermittler registriert. Ja, die Sicherheitsvorschriften wurden in den letzten dreißig Jahren massiv verschärft. Lisa stand total auf Hightech und schwörte darauf. Willi hingegen konnte damit nichts anfangen und hielt von solchem „Schnick-Schnack“ überhaupt nichts. Als ihr Hightech-Gerät der neusten Stunde die DNA ermittelt hatte, lies sie diese durch das System laufen. Nach stundenlanger Arbeit schrie sie endlich auf: „Willi, Volltreffer. Es ist jemand von der Liste“. Willi kam in Lisas Büro gerannt schaute auf ihren Bildschirm, wo Bild und Name des Täters standen und konnte es nicht glauben. „Ach was“, dachte er sich. Das ist unmöglich. Er wollte es zum einen nicht wahrhaben, dass tatsächlich Herbert der Täter sein sollte und zum anderen traute er dieser modernen Technik ganz und gar nicht über den Weg. „Ach, was, da muss ein Fehler vorliegen. Dieses moderne Hightech-Gerät hat sich ganz bestimmt vertan“, murmelte er in seinen Schnauzer. Lisa konnte es nicht fassen! Endlich hatte sie den Täter gefunden und triumphierte vor sich hin und Willi arbeitet dagegen. „Was um alles in der Welt soll denn das?“ ärgerte sie sich. Sie konnte ja nicht ahnen, dass Willi Herbert von Kindesbeinen an kennt.

Mittlerweile war schon Morgen. Nach langem Überreden und Debattieren sagte Willi endlich zu, Lisa zum Wohnhaus von Herbert zu begleiten. Er hatte ihr auf der Fahrt nach Höll erzählt, dass er ihn seit der Kindheit kennt und ihr immer wieder zu verstehen gegeben, dass er sich absolut nicht vorstellen könne, dass Herbert der Täter sei. „Wir müssen dem nachgehen, seine DNA war auf der Tatwaffe. Natürlich ist er es!“, hatte Lisa immer und immer wieder betont. Als sie in Höll angekommen waren, zeigte Willi ihr das Haus. Als keiner aufmachte, brachen sie ein, doch es war keiner da. Nebenbei hatte Willi ihr von Herbert erzählt. Wie er damals gegen die Zentralisierungsmaßnahmen ankämpfte, dass er allein zurückblieb und auch Willi seitdem keinen Kontakt mehr zu ihm hatte, obwohl sie damals beste Freunde waren. „Na, da haben wir es ja, das Motiv“, sagte Lisa. Beide waren verzweifelt, weil sie in Höll weit und breit keinen Herbert fanden und auch keine weiteren Indizien. „Wie hieß nochmal die letzte Botschaft?“, fragte schließlich Willi als wäre ihn ein Geistesblitz widerfahren. „Stimmt mit mir ein“, antworte Lisa achselzuckend und nichtsahnend, was das nun wieder sollte. „Natürlich – das Stimmen-Festival im Grütt“, sagte Willi. „Dieses haben sie vor fünf Jahren vergrößert und riesengroß aufgezogen und damit die Naturfläche und den Park zerstört. Hier haben sie dann mehrere riesige Bühnen gebaut. Das würde Willi ganz bestimmt nicht passen. Er war schon damals gerne in diesem Park. Das erste Konzert beginnt schon in einer Stunde“, prasselte es aus Willi nur so heraus. Während Lisa und Willi sich hastend auf den Weg Richtung Lörrach machten, erfuhr Lisa, welche Band spielt. Die Wollitollis kannte sie natürlich auch. Diese Band hatte sich in Nullkommanix in die deutschen Charts gespielt und waren auch schon im Ausland preisgekrönt. Verdammt viel los war auf dem Festivalgelände als sie ankamen. Willi hatte bereits ein Sondereinsatzkommando angefordert und Herbert zur Fahndung ausgeschrieben. Rund 50 Mann suchten somit an diesem sonnigen Vormittag inmitten der Menschenmassen des Festivals nach Herbert. Alle wollten sie nur eines: Den nächsten Mord verhindern.

Auf einer Anhöhe hatte sich Herbert bereitgemacht. Dieses Mal wollte er einfach nur mitten in die Masse schießen und irgendjemanden treffen. Dieses Festivalgehabe ging ihm mächtig auf den Keks. Alle von diesen Fans hatten für ihn Mitschuld an der Zerstörung dieses Parks. Hier hatte er damals noch schön in der Natur gespielt. Heute zähle nur noch Kommerz, Party und Sauerei. Er setzte den Pfeil an, zielte mitten in die Massen und wollte gerade loslassen. Doch dann packte ihn ein Arm von hinten, zog ihn auf den Boden. Er ließ den Pfeil los, der dann ebenfalls zu Boden sank. „Verdammt Herbert“, fauchte ihn Willi aus voller Kehle an. „Was hast du dir nur dabei gedacht?“. Mit Handschellen und schwer bewacht wurde Hebert ins Präsidium gebracht. Dort ließ Willi dann all seine Wut über Herberts Taten heraus. Er packte ihn am Kragen, schob ihn gegen die Wand des dunklen Ermittlungsraumes und schrie ihn an. „Was zur Hölle sollte das? Du warst nie ein böser Mensch? Was haben dir nur all diese Menschen getan?“

Prolog: Herbert hob seinen Kopf, blickte Willi verachtungsvoll in die Augen und spuckte ihn an. Angewidert und stinksauer sprang Willi zurück. „Was soll der Scheiss? Soll ich dich noch für noch längere Zeit einbuchten?“

Herbert fing an zu lachen. Ein abscheuliches, tiefes, finsteres Lachen. Er blickte Willi noch einmal an. Gerade Du solltest wissen, warum ich das alles auf mich genommen habe. Für unser Wiesental, für die nächste Generation, für dich und mich! Sie haben einfach alles zerstört! Alles woran ich und auch du geglaubt haben. Alles womit ich Heimat verbinde. Das Wiesental ist nicht mehr das gleiche und das wird es auch nie wieder sein. Und auch du bist nicht mehr der Gleiche! Du sonnst dich in den Stahlen deines neuen Jobs, genießt die Reputation eines Starkommissars einer Großgemeinde. Aber um die vereinsamten „Eigenbrödler“ schert sich kein Mensch! Was juckt euch das, dass kein Mensch mehr in mein Dorf kommt. Selbst die Busverbindung wird bald abgeschafft. Das ganze Dorf soll eingestampft werden und ein Industriegebiet daraus gemacht werden. Na, wusstest du das?“ Willi schüttelte ungläubig den Kopf. „Das Haus in denen Generationen meiner Familie groß geworden und gelebt haben wird abgerissen. Sie sind in der Mehrzahl. Und ich kann nichts mehr dagegen tun. Ich hasse diese Menschen! Sie haben es verdient zu sterben! Und ich hasse das Wiesental!“ Willi schaute ungläubig auf seinen ehemaligen Kindheitsfreund. Er schnallte ihm die Handschellen um die Handgelenke. „Sie haben das Recht zu schweigen. Alles was Sie sagen kann und wird gegen vor Gericht gegen Sie verwendet werden. Nicht du richtest über Leben und Tod, Herbert. Wie das Wiesental sich entwickelt bestimmen die Menschen, die da wohnen.“

(as/vw)

Die Ziehung der Gewinner unseres Gewinnspiels findet am 25.12.2016 statt.

 


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Auf den Spuren des Wiesental-Mörders – Gewinnspiel

 

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