Arbeiten die Wiesentäler Frauen und Männer auch zu wenig?

... Coolem Lifestyle huldigen und freie Zeit für einen Latte im Lörracher Dreikönig Deli, oder Lohnverzicht um für „unbezahlte Pflegearbeit“ zu buckeln? Wohl selten hat ein Vorschlag aus dem Wirtschaftsflügel der CDU die Emotionen so hochkochen lassen, nämlich den Rechtsanspruch auf Teilzeit zu beschränken. ...

Coolem Lifestyle huldigen und freie Zeit für einen Latte im Lörracher Dreikönig Deli, oder Lohnverzicht um für „unbezahlte Pflegearbeit“ zu buckeln? Wohl selten hat ein Vorschlag aus dem Wirtschaftsflügel der CDU die Emotionen so hochkochen lassen, nämlich den Rechtsanspruch auf Teilzeit zu beschränken.

Die Fakten:

Im Jahr 2001 wurde von der rot-grünen Bundesregierung das Teilzeitarbeits- und Befristungsgesetz eingeführt. Nachdem können Arbeitnehmer nach mindestens sechs Monaten im Betrieb verlangen, dass sie ihre Arbeitszeit reduzieren. Der Arbeitgeber kann den Wunsch nur abschlagen, wenn wichtige betriebliche Gründe dagegensprechen. Wie oft das Arbeitnehmende in Anspruch nehmen, ist zurzeit statistisch nicht zu belegen. Statistisch belegt ist allerdings, dass Teilzeitarbeit bei Frauen und Männern in Deutschland einen Rekordwert erreicht hat. Zuletzt hat laut Statistischem Bundesamt jede zweite Frau und jeder achte Mann in Teilzeit gearbeitet. Die Teilzeitquoten sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten bei beiden Geschlechtern um rund fünf Prozentpunkte angestiegen. Absolut betrachtet bedeutet das aktuell eine Teilzeit-Quote von rund 50,4 Prozent bei Frauen, und rund 31,3 Prozent bei Männern, was insgesamt 13,7 Prozent aller Erwerbstätigen entspricht. Mit steigender Tendenz. Entsprechend arbeiten die Deutschen heute im Schnitt etwa fünf Stunden weniger pro Woche als zu Beginn des Jahrtausends.

Der hohe Teilzeitanteil der Frauen ist ein deutsches Spezifikum. Zwar arbeiten heute deutlich mehr Frauen –  viele allerdings in Teilzeit – als noch vor zwanzig Jahren, aber im EU-Schnitt arbeitet nicht einmal jede dritte Frau in Teilzeit (28 Prozent). Großteil der Frauen wählt die Teilzeit offensichtlich auf eigenen Wunsch, denn nicht nur Mütter kleiner Kinder reduzieren ihre Arbeitszeit, obwohl die Quote bei Müttern von Kindern, die jünger sind als drei Jahre, mit 73 Prozent mit Abstand am höchsten ist. Aber auch vier von zehn kinderlosen Frauen arbeiten – mutmaßlich freiwillig – nicht voll, denn nur rund vier Prozent der Frauen und sechs Prozent der Männer gaben in einer Arbeitskräfteerhebung 2024 an, gezwungenermaßen in Teilzeit zu arbeiten. Nur rund jede dritte Frau in Teilzeit begründet ihre Entscheidung damit, Kinder oder behinderte Erwachsene zu betreuen, oder gibt sonstige familiäre Gründe an. In einer Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes heißt es: „Die Hälfte der Teilzeitbeschäftigten (51,6 %) gab an, Teilzeit arbeiten zu wollen oder hatte andere persönliche Gründe.“

De Auslöser der Diskussion:

Der tiefere Grund dieser Debatte liegt auf der Hand: Bei sinkendem Arbeitsvolumen und entsprechend sinkenden Abgaben geraten die ohnehin ächzenden Sozialsysteme noch stärker unter Druck. Oder anders ausgedrückt, immer mehr Menschen erwarten auf der einen Seite berechtigterweise 100 Prozent Leistung bei Kranken- und Pflegeversicherung oder bei staatlicher Fürsorge, aber auch bei Bildung und Infrastruktur, auf der anderen Seite zahlen immer mehr weniger in die entsprechenden Systeme ein. Der Rechtsanspruch sei ein Anachronismus aus den frühen 2000er-Jahren, als Massenarbeitslosigkeit den Arbeitsmarkt prägte, sagte Holger Schäfer vom arbeitgebernahen In­stitut der deutschen Wirtschaft kürzlich. Entsprechend argumentiert die Arbeitgeberseite, während Gewerkschaften soziale „Steinzeitpolitik“ am Werk sehen. 

Unsere große Umfrage:

Dieses „heiße Thema“ möchten wir zum Anlass nehmen, unter unseren Leserinnen und Lesern eine Online-Umfrage zu starten. Denn im Wiesental treffen zwei Arbeitswelten direkt aufeinander. In der Schweiz arbeiten die Menschen im Schnitt 200 Stunden mehr pro Jahr. Wir werden Euch dann in einigen Wochen die Ergebnisse vorstellen und gleichzeitig hier im Wiesental bei Firmen, Verbänden und Institutionen nachfragen wie sich für sie die Situation darstellt.

Leserumfrage:

Dieses „heiße Thema“ möchten wir zum Anlass nehmen, unter unseren Leserinnen und Lesern eine Online-Umfrage zu starten. Denn im Wiesental treffen zwei Arbeitswelten direkt aufeinander. In der Schweiz arbeiten die Menschen im Schnitt 200 Stunden mehr pro Jahr. Wir werden Euch dann in einigen Wochen die Ergebnisse vorstellen und gleichzeitig hier im Wiesental bei Firmen, Verbänden und Institutionen nachfragen wie sich für sie die Situation darstellt.

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