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Zeller Theatertruppe spielt am Preisträgerfestival in Karlsruhe

Karlsruhe/Zell. Die Funkmikrofone sind noch nicht justiert. Die Beleuchtung blendet. Vor der Bühne ist ein Bühnenarbeiter noch mit dem Verlegen von Kabeln beschäftigt. Die Souffleuse ist ausgefallen. Regisseur Gotthard Jost drängt dennoch seine Schauspieler, mit der Probe endlich zu beginnen. Ohne Wenn und Aber. Dann legen sie los: Das Ensemble der Zeller Trachtengruppe tritt heute Abend im Festsaal auf dem Campus des KIT (Karlsruher Institut für Technologie) auf – als Gewinner des Landesamateurtheaterpreises Lamathea 2017. Trotz aller Widrigkeiten legen sie sich ins Zeug, spielen den ersten Akt durch, mit Tempo, Elan und Herzblut. Vorhang zu. Pause. Es gibt lobende Worte vom Regisseur, belegte Brötchen und die langersehnten Funkmikrofone. Die Beleuchtung ist auch optimiert. Auch der Bühnenarbeiter verlegt keine Kabel mehr. Nicht dass er fertig wäre, aber der erste Akt der Komödie „Verliebt, verlogen, verheiratet“ hat ihn so zum Lachen gebracht, dass er nicht mehr arbeiten kann. Weiter geht es mit dem zweiten Akt. Ebenso gekonnt wie routiniert.

Kurz vor dem Auftritt in Karlsruhe: Schminken und Konzentrieren

So spielt sich die nachmittägliche Probe der Zeller Amateurtheatertruppe der Trachtengruppe ab. Es gilt am Abend das preisgekrönte Stück aufzuführen. Es bleibt noch Zeit um kurz zu duschen und schon geht es in die Katakomben hinter der Bühne. Dort wird geschminkt und frisiert während sich der Festsaal mit Besuchern füllt. Unter 16 nominierten Mundartstücken haben die Zeller den Landesamateurtheaterpreises Lamathea 2017 gewonnen. Bevor sie ihn allerdings in Händen halten dürfen, müssen sie die 2016 im Zeller Pfarrsaal erstmals in alemannischer Sprache aufgeführte Komödie nochmals auf die Bühne bringen. Das Publikum besteht, neben einigen Zeller Hardcore-Fans, die extra nach Karlsruhe gekommen sind, hauptsächlich aus Theaterleuten, Regisseuren, Intendanten und Schauspielern aus anderen Ensembles, die sehen wollen, was die Truppe um Regisseur Gotthard Jost wirklich drauf hat.
Dann beginnt das rasante Spiel um den Taxifahrer John Smith, der mit zwei Frauen gleichzeitig verheiratet ist. Eine Situation, die immer verzwickter und verrückter wird. Die Notlügen werden immer wirrer und irrer und der Zuschauer glaubt immer weniger an einen Ausweg aus dem Lügendickicht oder gar an ein versöhnliches Ende. Die schnellen Dialoge, die häufigen Situations- und Szenenwechsel verlangen den Schauspielern einiges ab. Was lustig und und voller Komik beim Publikum ankommt, ist konzentrierte und schweißtreibende Bühnenarbeit. Das Ensemble hat sich mit ein paar wenigen Proben in den letzten Wochen wieder eingespielt. Nach einem Jahr Pause, muss auch der Text wieder gelernt werden. Neu im Ensemble ist Silvia Chiarappa, sie war bislang Souffleuse und musste kurzfristig einspringen. Für sie ist dieser Abend nicht nur ihre persönliche Premiere, sondern auch das erste Mal, dass sie überhaupt auf einer Bühne spielt. Aber das weiß im Publikum niemand. Es merkt auch niemand, denn sie spielt genau so souverän wie die anderen der Truppe. Dies bestätigen auch der immer wieder aufbrausende Szenenapplaus und die Lacher aus dem Fachpublikum. Unmittelbar nach dem Schlussapplaus gibt es einen Pressetermin direkt auf der Bühne und die Auszeichnung – einem Oscar nicht unähnlich – darf kurz in die Kameras gezeigt werden. Dann kommt sie sofort wieder unter Verschluss, denn die offizielle Preisverleihung findet erst 24 Stunden später im Audimax des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) statt. Dort gibt es dann endlich die Auszeichnung für das beste Mundartstück in Baden-Württemberg aus den Händen von Regierungsvizepräsidentin Gabriele Mühlstädt-Grimm.

Die Laudatio hält Rüdiger Erk, ein Theaterpädagoge, der selbst als Regisseur und Intendant auf verschiedenen Bühnen im Land arbeitet. Er war auch einer der Juroren, die „Verliebt, verlogen, verheiratet“ als bestes Mundartstück ausgewählt haben. Auf die Frage, warum ausgerechnet dieses Stück gewonnen hat, sagt er, dass es die Spielfreude jedes einzelnen Schauspielers war, die den Ausschlag gab. Aus jedem sprüht die Lust am Spiel geradezu heraus.

Daneben haben zu diesem Erfolg zwei weitere Menschen maßgeblich beigetragen. Es ist Regisseur Gotthard Jost, bislang selbst immer Schauspieler im Zeller Ensemble. Für ihn war es das erste abendfüllende Theaterstück, bei dem er sich für die Regie verantwortlich zeigte. Den Spagat aus einer englischen Farce eine alemannische Komödie zu machen schaffte wiederum Heidi Zöllner, die den Text übersetzte und somit dem Stück eine neue Identität gab, die exakt ins Alemannische, ins Wiesental und nach Zell passt.

Noch vier Vorstellungen von „Verliebt, verlobt, verheiratet“ gibt es im Pfarrsaal in Zell. Die Termine sind der 20. und 21. Oktober um 19 Uhr, sowie am 23. und 24. Oktober 2017 um 19:30 Uhr. Karten sind beim Hotel-Restaurant Löwen, sowie im Büro des Zeller Bergland Tourismus erhältlich.

Titefoto: Pressetermin nach erfolgreicher Aufführung: (v. l.)
Silvia Philipp (Maske), Dietmar Vollmer (Technik), Daniel Greiner (Gavin Smith), Gotthard Jost (Regisseur), Stefanie Waßmer (Vicky Smith), Andreas Müller (Dad), Norbert Kaschel (Technik), Axel Umber (Stanley Gardner), Alfred Knauber (Organisation).
Im Vordergrund: Carmen Döbele (Barbara Smith), Gotthard Dietsche (John Smith), Silvia Chiarappa (Mary Smith)

Ein Bericht von Uli Merkle / Zeller Theatertruppe

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