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Sie können alles, und auch Alemannisch

Die Knastbrüder rocken den Schillighof

Steinen-Weitenau (hf). Für die eingeschworenen Fans ist das jährliche „Knastbrüder-Opern-Air“ eine kulturelle Pflichtveranstaltung, die man auf keinen Fall verpassen darf. Am vergangenen Freitag pilgerten denn auch wieder Hunderte zur Linde vor Rolf Asals Gasthof Hirschen auf dem Schillighof, um bei diesem Auftritt, dem längst ein Ehrenplatz auf der Liste des „Alemannischen Kulturerbes“ gebührt, dabei zu sein. Jeannot und Christian Weißenberger feierten die Liebe zur Heimat, zur alemannischen Sprache und den Originalen aus der Region, und die treue Fan-Gemeinde feierte begeistert mit.

sie-koennen-alles-und-auch-alemannisch-meinwiesental-knastbrueder-schillighof-03Das Knastbrüder-Open-Air ist als Veranstaltung wahrlich ein Phänomen. Die Gäste, die unbedingt dabei sein wollen, strömen in Scharen auf den Schillighof. Schon etwa eine halbe Stunde vor Konzertbeginn verkündete Jeannot Weißenberger: „Wir holen jetzt noch die Stühle aus der Wirtschaft, das ist aber die letzte Reserve.“ Da waren die vielen Tische und Bänke vor dem Gasthaus bereits alle besetzt. Ganz erfahrene Besucher rückten daher auch gleich mit ihren eigenen Campingstühlen und anderen Sitzgelegenheiten an, da man das Gedränge schon kennt. Eigentlich ist es auch unpassend von „Konzertbesuchern“ oder „-gästen“ zu sprechen, denn das Publikum selbst ist ein wesentlicher (und bisweilen lautstarker) Bestandteil des Abends. Die Texte der Lieder kennen alle, so dass nicht nur immer wieder die Lieder von vorne bis hinten mitgesungen werden. Viele Songs werden schon bei den ersten Hinweisen in der Ankündigung erkannt und mit frenetischem Jubel begrüßt. So genügte schon die Erwähnung des Namens „Adolf Beck“, um Begeisterung auszulösen, denn alle wussten: jetzt kommt der Song „D’r Schneck muss weg“, der auch wieder kräftig mitgesungen wurde.

sie-koennen-alles-und-auch-alemannisch-meinwiesental-knastbrueder-schillighof-01Überhaupt ist die unglaubliche Stimmung auf dem Schillighof beim Auftritt der Knastbrüder ein Phänomen. Auch nach mehreren Jahren fühlt man sich als Besucher mitgenommen und dann mitgerissen. Zugegeben, als Rheinländer ist der Berichterstatter auch nur ein Alemanne mit Migrationshintergrund, trotzdem gehört man gleich dazu. Das mag an der Weltoffenheit der Südbadener liegen, wie auch Jeannot versicherte. „Fremde sind bei uns nicht verpönt, mir hän uns au an Fahrnau g‘wöhnt“, ließ er die jubelnde Kulisse wissen. Sicher trägt auch bei aller Liebe zum Eigenen die Wendung zum Positiven ihren Teil zur liebenswerten Atmosphäre bei. Beispielhaft wenden die Knaschtbrüder in einem Song, eine im Grunde scherzhaft negative Aussage zum Positiven. Hieß es einmal über Baden-Württemberg „Wir können alles außer Hochdeutsch“, so besingen die Knaschtbrüder nicht den Mangel, sondern den eigenen Vorzug. „Hochdütsch kann e jede, Alemannisch könne nur mir.“

So kann man die Liebe zur Sprache und zur Heimat und ihren Menschen feiern, kann stolz sein auf Belchen und Wiesental, Spaß haben an Adelhuuse oder Santino inne de Kranz, ohne Hintergedanken. Es ist diese echte, glaubhafte vorbehaltlose Liebe und Freude, die in den Knaschtbrüdern lebt und die sie gerade deshalb so glaubhaft transportieren können, die wesentlich zum „Open-Air“ auf dem Schillige gehören und das Fest zu etwas ganz Eigenem machen.

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