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Schwitzen, schweißen, finanzieren

Sommer, Sonne, Ferienzeit. Manch einer ist schon in den Ferien oder träumt zumindest vom bevorstehenden Urlaub. Das Geschrei der badenden und spielenden Kinder im Zeller Freibad hört man bis hierher. Wer denkt da schon an den Fasnachtsumzug? Keiner?
Von wegen.

In der Grönländer Seilerburg ist es ebenfalls warm. Zu den hochsommerlichen Temperaturen kommt die Wärme durch das Schweißen am neuen Unterbau für den Fasnachtswagen. Es wird emsig gearbeitet. Für den Fasnachtsumzug. Und das mitten im Sommer. Grönland-Vogt Jürgen Sprich erzählt mit Schweißperlen auf der Stirn, warum hier gearbeitet wird: Der alte Fasnachtswagen ist nicht mehr wirklich fahrtüchtig. Eine weitere TÜV-Abnahme wohl nicht mehr möglich. Schon im vergangenen Jahr hat man sich um einen neuen Wagen gekümmert. Ein Unterfangen, das für eine Zeller Fasnachtsvogtei finanziell unmöglich zu stemmen ist. In ihrer Not haben sich die Grönländer an den Pfaffenberger Christoph Philipp gewandt. Er ist so etwas wie ein vogteilich unabhängiger Wagenbauspezialist. Zu ihm gehen fast alle Zeller Wagenbauer, wenn’s Probleme gibt. Der „Stöffeli“, wie ihn alle nennen, weiß immer Rat. Er hilft auch den Grönländern: Er weiß, irgendwo im Rebland steht ein Ladewagen, den man billig kaufen kann, billiger als eine einzelne Vorderachse. Im Hotzenwald kennt er einen, der noch eine Hinterachse für 400 Euro rumliegen hat. Die Grönländer kalkulieren. So auf 2.500 bis 3.000 Euro wird der komplette Unterbau des Fasnachtswagens kosten. Jetzt gibt es außer dem Pfaffenberger Stöffeli, Gott sei Dank, auch noch den Zeller Bürgerverein. Der wurde angefragt und der hat 1.400 Euro als Anschubfinanzierung locker gemacht. Dies war der Anfang des Projektes „Neuer Wagenunterbau“. Peter Wassmer wurde von den Grönländern zum Projektleiter ernannt. Er ist dafür verantwortlich, dass der neue Wagen am Fasnachtsumzug 2018 am Zeller Umzug dabei ist. Unter seiner Führung wurde der Ladewagen aus dem Rebland gekauft und inzwischen abgebaut, so dass nur noch die Vorderachse übrig blieb. Die Hinterachse konnte auch angeschafft werden. Inzwischen steht der Unterbau für künftige Umzugswagen fast fertig in der Seilerburg. Es fehlen noch der Holzaufbau und das zur Sicherheit notwendige Geländer. Apropos Sicherheit: Die Sicherheit, beziehungsweise die Vorschriften dazu, bereiten nicht nur Peter Wassmer und seinem Vogt Sorgen: Die Wagenbaumeister aller Zeller Vogteien haben einen ganzen Leitz-Ordner voll mit Sicherheits- und Bauvorschriften, die eingehalten werden müssen.

Da kommt wieder der Stöffeli ins Spiel, der die Sicherheitsvorschriften auswendig kennt, der den Grönländern uneigennützig die vorgeschriebene Bremsvorrichtung an den Wagen eingebaut hat und sich auch noch um die ebenfalls vorgeschriebene Wagenelektrik kümmern wird. Eine ganz wichtige Vorschrift: Es muss garantiert sein, dass während des Umzuges, wenn ein Fasnachtswagen um den Latschariplatz biegt, die Blinker funktionieren!

Aber der Stöffeli macht das schon. Er kümmert sich auch um die TÜV-Abnahme. Der TÜV verlangt für seinen Segen 150 Euro. Das sind umgerechnet für eine Vogtei: Einen halben Tag Kuchenverkauf oder einen Abend Thekendienst bei einem anderen Verein. Peter Wassmer und sein Vogt Jürgen Sprich sind sich sicher: Bis zum 28. Oktober ist der Wagenunterbau fertig und TÜV-abgenommen. Denn dann ist Herbstfest in der Grönländer Seilerburg. Das dient zur Finanzierung der Restkosten.

Erst im Januar 2018 beginnen dann die Grönländer mit dem eigentlichen Fasnachtwagenbau. Dann geht’s erst richtig los, mit der Arbeit und mit den Ausgaben. Aber das ist eine andere Geschichte.

Und während die Grönländer in ihrer Seilerburg bei der Arbeit schwitzen, liegt der Sunneländer Wagenbaumeister am fernen italienischen Strand in der Sonne. Er hat sich einen Fasnachtswagen bereits vor der letzten Fasnacht vom Stöffeli besorgen und herrichten lassen. Ganz sorgenfrei kann er seinen Urlaub allerdings auch nicht genießen. Denn er weiß, dass er sich nochmals eingehend mit den Sicherheits- und Bauvorschriften befassen muss und die Finanzierung steht auch noch auf äußerst wackeligen Beinen.

Am Abend, nach getaner Arbeit gönnen sich der Grönlander Vogt und sein Projektleiter ein Bier in der Seilerburg. Das sorgenfreie Kindergeschrei vom Zeller Schwimmbad ist inzwischen verstummt. Es ist wieder spät geworden – und man freut sich im Grönland und anderswo in Zell wieder auf den Fasnachtsumzug im nächsten Jahr.

Titelfoto: Projektleiter Peter Wassmer und Grönland-Vogt Jürgen Sprich haben auch im Hochsommer einiges zu tun

Zeller Fasnacht / Uli Merkle – 30 .7. 2017

 

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