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Kontroverse Aussprache über Krippen- und Kindergartenstandorte

Öffentliche Bürgeranhörung soll am 10.Mai stattfinden

Kleines Wiesental (hf). Es wurde eng im Ratssaal in Tegernau, als über die Zukunft der Kleinkindbetreuung und die Entwicklung der Kindergartenstandorte im Kleinen Wiesental diskutiert wurde. Bürgermeister Gerd Schönbett und der Gemeinderat stellten Verlauf und Ergebnis der beiden Klausurtagungen vor, die der Rat im März und April diesen Jahres abgehalten hatte. Nach einem kurzen Rückblick in die bisherige Diskussion, die die Gemeinde seit ihrer Gründung begleitet, berichtete Gerd Schönbett über Verlauf und Ergebnisse der Klausurtagungen.

In den Klausuren hatte der Gemeinderat – teilweise mit Unterstützung eines externen Moderators- zwei Fragenkomplexe behandelt. Soll in der Gemeinde eine Kinderkrippe eingerichtet werden? Und wenn ja, wie sieht dann die künftige Kindergartenlandschaft aus? Schnell konzentrierten sich die Diskussionen auf die Frage künftiger Kindergarten-Standorte, da die Einrichtung einer Kinderkrippe unstrittig war. Gerd Schönbett informierte, dass die Teilnehmer der Klausuren zuerst eine gemeinsame Matrix entwickelten, nach der die Standort-Alternativen bewertet werden sollten. Als mögliche Varianten wurden definiert: 1) Kindergärten in Wies, Wieslet und Neuenweg, Krippe in Tegernau, 2) KiGä in Wies, Wieslet  und Neuenweg, Krippe in Wieslet, 3) KiGa in Wieslet, KiGa und Krippe in Tegernau, 4) zentraler KiGa mit Krippe in Wieslet, 5) zentraler KiGa mit Krippe in Tegernau. Im Anschluss wurden von den Gemeinderäten in Gruppenarbeiten für die einzelnen Varianten nach der Matrix für alle Entscheidungskriterien Wertungspunkte verteilt, die sowohl positiv wie negativausfallen konnten. Die Variante „zentraler KiGa mit Krippe in Wieslet“ wurde von den Gruppen gar nicht als Alternative bearbeitet. Als Ergebnis der Gruppenarbeiten stellte der Bürgermeister die Gesamt-Punktauswertung für die verschiedenen Alternativen vor. Demnach erhielt die Variante 5 „zentraler KiGa mit Krippe in Tegernau“ die Spitzenwertung mit 101,5 Wertungspunkten. (Variante 1 – 14 Punkte / Variante 2 – 31 Punkte / Variante 3 – 67,5 Punkte / Variante 4 wurde nicht bearbeitet).

Die anschließende Diskussion im Gemeinderat zeigte, dass die Haltung in dieser Frage im Rat – trotz des eindeutigen Ergebnisses – durchaus nicht so eindeutig ist. Ortsvorsteher Klaus Worms (Neuenweg) erklärte, dass die Arbeit an der Matrix sehr sachlich vorgenommen wurde. „Aber mit dem Ergebnis hat niemand gerechnet“, fügte er hinzu. Heinz Eichin (Wieslet) bestätigte das sachliche Vorgehen bei der Bewertung, erklärte das Ergebnis aber als „Momentaufnahme“. Gerade bei den Bewertungskriterien in der Matrix hätte man auch andere Punkte hinzunehmen können. Dann hätte es vermutlich ein anderes Ergebnis gegeben. Dem widersprach Jürgen Lacher (Raich). „Der Gemeinderat hat sich die Arbeit wirklich nicht einfach gemacht. Und die Bewertungskriterien haben wir gemeinsam selbst entwickelt“, hielt er fest. Auch Heinz Brendlin (Wies) wertete das Ergebnis der Klausuren durchaus positiv. „Wenn man die Frage der Kindergärten nüchtern betrachtet, kann nur dieses Ergebnis herauskommen“, erklärte er. „Auch wenn die Empfindung durchaus anders sein kann.“ Rolf Vollmer (Wies) stellte sich auf die Seite der Verteidiger des Erhalts der bisherigen Kindergärten. „Wir dürfen die Interessen der Bürger nicht ganz außer Acht lassen“, erklärte er. „Die Akzeptanz der Bürger für eine Lösung in dieser Frage ist wichtig.“ Hier schloss sich Patricia Fromm an, die an den Klausuren nicht hatte teilnehmen können. „Mir fehlt in der Matrix der Bewertungspunkt ‚Kindeswohl‘“, monierte sie und stellte grundsätzlich eine „Bürgerbefragung“ durch die Verwaltung zur Diskussion. „Ist denn das Kindeswohl in Sallneck ein anderes als in Neuenweg?“, wollte Ernst Kallfaß (Tegernau) wissen, „nur weil es für die Ortsteile unterschiedlich lange Anfahrten zum Kindergartengibt.“ Auch das Thema einer Bürgerbefragung fand- trotz des lebhaften Beifalls in der Bürgerschaft – nicht nur Befürworter. „Wen soll wir denn fragen“, wollte Heinz Brendlin wissen. „Bis ein neuer Kindergarten kommt, sind die Kinder, die heute im Kindergarten sind, schon in der Schule.“ Dem pflichtete Martin Bechtel (Elbenschwand) bei. „Wir müssen an die Zukunft denken. Wir sprechen über eine Entscheidung, mit der wir im Tal die nächsten zwanzig Jahre leben müssen“, führte er aus. „Und eine zentrale Lösung haben wir schon vor acht Jahren diskutiert, als wir den ersten Entwicklungsplan für die neue Einheitsgemeindeaufgestellt haben.“ Auch Daniel Dreher (Sallneck) verteidigte das gewählt Verfahren. „Es war gut, dass wir von Befragungsergebnissen unbelastet in die Klausur gegangen sind“, meinte er. „So konnte vermieden werden, dass wir uns bei der Bewertung nicht an festgefahrenen Haltungen orientiert und die immer gleichen Diskussionen geführt haben.“

Nach der Diskussion im Rat wollte der Bürgermeister wissen, wie es nun weitergehen soll. „Wir können nicht endlos diskutieren“, stellte Jürgen Lacher fest. „Es muss jetzt ein Ergebnis geben.“ Bürgermeister Gerd Schönbett erklärte, dass er die Frage von Krippen- und Kindergarten-Standorten in der nächsten Gemeinderatssitzung zum Entscheid stellen wolle. Auf den neuerlichen Einwurf von Rolf Vollmer, die Betroffenen müssten stärker einbezogen werden, stellte Gerd Schönbett die Frage nach einer Bürgerbefragung zur Abstimmung. Mit großer Mehrheit  wurde eine Bürgerbefragung abgelehnt. Aber der Bürgermeister folgte einem Vorschlag von Pfarrer Christian Rave und bot eine Anhörung der Bürger für Mittwoch, den 10.Mai an. Eine gesonderte Einladung wird noch erfolgen.

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