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Kabarettistisches Sommergewitter mit starken Einschlägen

Henning Venske gastierte erstmalig in Schönau

Schönau (hf). Ein schweres satirisches Sommergewitter entlud sich am vergangenen Freitagüber Schönau. Bei der „Schönauer Stromnacht“ erlebten die rund 300 Besucher ganz hautnah, warum Henning Venske als einer der ganz großen, aber auch als einer der bissigsten Kabarettisten unserer Zeit gilt. Dabei machte er auch vor der herben Kritik an so empfundenen Würdenträgern nicht Halt, was nicht von allen gleichermaßen goutiert wurde.

Es war ein kurzes, dafür aber umso heftigeres satirisches Gewitter, das Henning Venske am Freitagabend seinen Zuhörern offerierte. Nicht nur kabarettistischer Starkregen war angesagt, bisweilen hagelte es die Pointen so schnell und dicht, dass den Gästen ganz schwindlig wurde. Henning Venske begann mit Statements zur Atomkraft. Es sei schon ein wesentlicher Fortschritt, ließ er seine Gäste wissen, dass die Menschheit nach einem  Jahrtausende langen Kampf, die Natur inzwischen soweit gebändigt habe, dass sie in der Lage ist, sich selbst auszulöschen. Trotzdem werden die mit der Atomkraft verbundenen Gefahren nach wie vor nicht wirklich ernst genommen. „Genau genommen ist ‚Castor‘ nur ein anderes Wort für Demokratie“, zitierte Venske aus einem Zeitungsinserat der Atomindustrie aus dem Jahre 1998. So sei nur folgerichtig, dass jetzt mit den Endlagern die Demokratie in die Löcher entsorgt werde. Starker Applaus des begeisterten Publikums. Gut sei dabei, dass man die Lösung des Endlager-Problems in der Asse im Jahre 3000 mit der Eröffnung des Berliner Flughafens zusammenlegen könne, stichelte der Satiriker. Wenn jetzt Vattenfall die Regierung auf acht Milliarden Euro Schadenersatz wegen der Abschaltung deutscher Atomkraftwerke verklage, sei es nur eine Frage der Zeit, wann die Rüstungsindustrie klage, weil in Afghanistan, in Syrien oder im Irak nicht mehr gebombt werde.

Das Thema EU bot Henning Venske ebenfalls willkommenen Anlass für seine bissigen Angriffe. Was solle man von Äußerungen des EU-Chefs Jean-Claude Juncker halten, fragte der Kabarettist, der in einem Interview gesagt hatte, „Es kann keine demokratische Wahl gegen die EU-Verträge geben“. Wo doch immer mehr Menschen begriffen hätten, dass die EU lediglich „eine Institution zur Mästung des Kapitals“ geworden sei. Lautstarke Zustimmung aus dem Publikum. Andererseits seien politische Diskussionen um die Zukunft der EU „so langweilig, da guck ich doch lieber meinem Tauchsieder beim Entkalken zu“, so Venske.

Eine riesige Welle der Sympathie und der Zustimmung schlug Henning Venske  bei seinen Ausführungen entgegen. Es zeigte sich aber auch, dass Kritik an den Zeitumständen und ihren Protagonisten nicht bei allen Menschen Verständnis findet. Als Henning Venske unseren hochgejubelten Bundespräsidenten Gauck wegen seiner Eitelkeit, seiner Selbstgefälligkeit und seiner hohlen Phrasen geißelte, forderte ein Zuhörer lautstark, er möge mit dieser Kritik aufhören. Die Erwiderung des Kabarettisten, er möge sich doch die Zitate aus den Reden des Herrn Gauck noch anhören, erreichte den Herrn nicht mehr. Er hatte die Buchenbrandhalle schon verlassen.

Mit seiner schonungslosen Kritik, die bisweilen verstören konnte, immer aber aufgrund der zitierten Belege gut begründet war, präsentierte Henning Venske eine Sternstunde des politischen Kabaretts in Schönau. Ein begeistertes Publikum dankte dem Künstler mit wildem und lang anhaltendem Applaus.

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