Begeisterndes & Kultur, Regionales aus der Redaktion
Schreibe einen Kommentar

Jürgen Multner liest den Narren-Burgis die Leviten

Klagen bei der Schlüssel-Rückgabe über Untätigkeit der närrischen Rathaus-Regenten

Maulburg (hf). Am Montagabend ging beim traditionellen Läberli-Essen im Maulburger Ochsen die närrische Saison zu Ende. Die fünfte Jahreszeit hatte bei den Zunftmeistern und ihren Gehilfen sichtbare Spuren hinterlassen. Die Stimme wollte bei den Zunftmeistern Andy Mühlhans und Benny Beck nicht mehr so richtig mitmachen, so dass bei den Gesangeinlagen die anwesenden Narren einspringen und für das entsprechende Lautstärke-Volumen sorgen mussten.

Die Vorbereitung auf den Ausklang sei ihm schwer gefallen, gestand Zunftmeister Roland Kobiella. Zum einen seien einige der Zunftmeister-Kollegen angeschlagen, und dann fehlte auch noch der Zunft-Gitarrist Icke, der sich ins Ausland abgesetzt hatte. „Da müssen wir halt unsere Lieder à capella vortragen“, verkündete der Zunftmeister und forderte die närrische Gemeinschaft zum kräftigen Mitsingen auf.

Als dann Bürgermeister Jürgen Multner zur Schlüsselrückgabe auf das Podium gebeten wurde, meldete dieser deutliche Kritik an. „Jetzt muss ich euch erst einmal die Leviten lesen“, gab der Bürgermeister zum Besten. Er habe den Rathausschlüssel bei der Rückgabe genau inspiziert, erklärte Jürgen Multner. „Keine einzige Kratzspur am Schlüssel“, so sein Fazit. Während ihrer Regentschaft seien die Zunftmeister kein einziges Mal im Rathaus gewesen. Er habe mehrfach angerufen, aber nie war jemand erreichbar, klagte der Bürgermeister. „Das war halt so wie immer“, konterte Roland Kobiella. Und keiner der Zunftmeister sei in der Gemeinderatssitzung gewesen, schimpfte Jürgen Multner weiter. Dabei habe doch manche Gemeinderatssitzung durchaus die Qualität eines Zunftabends. Diese Rundum-Kritik wollte der Zunftmeister nicht auf sich sitzen lassen. „Wir schaffe halt für drei“, merkte er an. Und bei einem Arbeitstag von maximal zehn Stunden, sei mal halt früher fertig gewesen. Als der Bürgermeister angerufen habe, seien die Zunftmeister halt gerade in der Z’Nüni-Pause gewesen. „Und überhaupt“, setzte Roland Kobiella zur geharnischten Antwort an.

„Die Verwaltung hat angekündigt, jetzt bekommen wir einen Campus für sechs Millionen, eine neue Wiesebrücke für 800.000 Euro, und bei den Planungen für den neuen Rathausplatz habe man zuerst von 80.000 Euro gesprochen, jetzt sei man bei 660.000 Euro. Das könne man – so närrisch man auch sei – nicht mehr mittragen. „Mir wänd nimmer wieter mache“, sprachs und ließ Andy Mühlhans den Schlüssel zurückgeben.

Der mangelnden Präsenz der Narren im Rathaus müsse trotzdem abgeholfen werden, darauf bestand Jürgen Multner. Und er ließ sich von den drei Zunftmeistern in die Hand versprechen, dass im kommenden Jahr sich alle Zunftmeister am Montag nach dem Narrenbaumstellen im Rathaus zu einem gemeinsamen Frühstück einfinden werden.

Ein Ausklang in Maulburg ist nicht komplett ohne eine neue Lied-Kreation von Zunftmeister Kobiella. In diesem Jahr präsentierten die Zunftmeister à capella ein Lied, das ganz aus dem Leben gegriffen war. „Ich kann auf fremden Klos nicht sch…“ schmetterten aus voller Brust die Zunftmeister – jedenfalls die, die noch bei Stimme waren – und die närrische Gemeinschaft sang kräftig mit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.