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Hürusse im Untergrund

Was ein Hürus ist, weiß in Zell jedes Kind. Das der Hürus als Regent der Zeller Fasnacht zwischen dem Ölfte Ölfte und dem Aschermittwoch des Folgejahres im Mittelpunkt des fasnächtlichen Geschehens steht, ist jedem Zeller klar. Dass ein Hürus aber auch an heißen Sommertagen Verpflichtungen hat, ist hingegen nicht jedem bekannt.

Die Figur des Hürusses geht ja auf die ehemaligen Adligen zurück, die über Jahrhunderte als Meier das Sagen über Zell hatten und deren Aufgabe es war, die Abgaben der Zeller an das Kloster Säckingen einzutreiben. Auch waren sie für die einfache Gerichtsbarkeit zuständig, sorgten also als Richter dafür, das kleinere Vergehen, vom Hühnerdiebstahl bis zur Nichteinhaltung von Sperrstunden, geahndet wurden. Auch die Zeller Wirte mussten dem jeweiligen Hürus über ihre Geschäfte regelmäßig Rechenschaft ablegen und bei Unstimmigkeiten oder Mauscheleien mit dem Entzug der Schankerlaubnis rechnen.

Dieser Verpflichtung voll und ganz bewusst, haben sich jetzt Hürus Dieter vo de Kirchstroß und 15 seiner Vorgänger in den Zeller Untergrund begeben. Auf engen Steinstufen stiegen sie hinab in das Kellergewölbe des ehemaligen Gasthauses Kranz. Dort inspizierten sie gewissenhaft sowohl die Weinbestände als auch die Räumlichkeiten tief unter dem Zeller Latschariplatz.

Das „Gasthaus zum Kranz“ wurde im Jahr 1805 eröffnet. Der Saal vom Kranz war ab den 1900-er Jahren mit dem größten Wirtshaussaal in Zell, indem an Fasnacht regelmäßig Veranstaltungen durchgeführt wurden. Auf der „Chranzstapfle“ hat 1949 quasi die Zeller Nachkriegs-Fasnacht begonnen. Als sogenannte „Verbotene Fasnacht“ ist sie in die Geschichte eingegangen. Die Grönländer trauten sich, im Grönland einen Fasnachtsumzug zu organisieren, obwohl jegliche Art von Versammlungen von der damaligen französischen Besatzungsmacht verboten war. Nachdem im Grönland der Umzug ohne Einschreiten des Militärs durchgeführt werden konnte und das eine oder andere Glas Wein den Mut der Grönländer noch stärkte, machten sie sich mit ihren Umzugswagen nebst einem Fasnachtsprinzen auf ins Zeller Städtli. Die französische Besatzungskompanie hatte ihre Kommandantur im Kranz eingerichtet. Der Kommandant und sein Offizierscorps schauten von der „Chranzstapfle“ aus irritiert zu, als der Grönländer Fasnachtsumzug um den „Latschi“ bog: Was soll er machen? Ist das ein Aufstand? Muss er jetzt Schießbefehl erteilen? Und was, zum Teufel, bedeutet „Ta-Hü“, das plötzlich alle schreien? – Ein Ausdruck, den er in keinem französisch-deutschen Wörterbuch findet. In seiner Verzweiflung tut er das einzig richtige: nämlich nichts. Er zieht sich in die Gaststube zurück und hofft, dass sich dieser Spuk von alleine wieder auflöst. So konnten die Zeller ihre erste Fasnacht nach dem Krieg feiern.

Seit 15 Jahren führt Massimo Clissa den Kranz als Pizzeria Escopazzo. Nun hat er aus dem ehemaligen Keller „La Grotta“ gemacht, einen rustikalen und gemütlichen Weinkeller für gesellige Stunden.

Durch die Bedeutung dieses Ortes für die Zeller Fasnacht entsprechend motiviert machten sich also die Zeller Hürusse über die verschiedenen Weinsorten her und prüften sie ausgiebig. Wirt Massimo tischte dazu italienische Spezialitäten auf, die den verwöhnten Gaumen der edlen Herren von Altenstein vorzüglich mundeten. Nach kurzer aber heftiger und lautstarker Diskussion war man sich einig und erteilte Massimo Clissa die Schankerlaubnis der edlen Herren von Altenstein. Dieser nahm diese Ehre gerührt entgegen und freut sich, seine „La Grotta“ am 1. September 2017 nun mit Wohlwollen von höchster fasnächtlicher Stelle eröffnen zu dürfen.

Titel-Foto: Schankerlaubnis von höchster fasnächtlicher Stelle: Die Zeller Hürusse überreichen dem Escopazzo-Wirt Massimo Clissa die Schankerlaubnis für „La Grotta“

Hürus Uli – Vogt vom Sunneland
25. Juli 2017

Zeller Fasnacht

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