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Für die Feuerwehr Steinen geht eine Ära zu Ende

Mit dem 1. Januar 2016 tritt Gesamtkommandant Hildolf Schwald in den Ruhestand

Steinen (hf). Seit 45 Jahren ist Hildolf Schwald mit tiefer Überzeugung Feuerwehrmann, und in den vergangenen knapp 35 Jahren hat er als Gesamtkommandant große Veränderungen erlebt und mitgestaltet. Mit seinem Übertritt in den Ruhestand geht für die Feuerwehr Steinen eine Ära zu Ende.

fuer-die-feuerwehr-steinen-geht-eine-aera-zu-ende-02Wie tiefgreifend und umfassend die Veränderungen in der Feuerwehr in den letzten Jahrzehnten waren, wird in einem Gespräch mit dem scheidenden Gesamtkommandanten deutlich. „Als ich 1970 in die Aktivmannschaft der Feuerwehr übernommen wurde, hatten wir in zwei Feuerwehrfahrzeuge, ein Löschfahrzeug und einen Mannschaftswagen. Dazu kam ein Unimog, der von Privat zur Verfügung gestellt wurde. Heute haben wir sieben Fahrzeuge im Zentralort und 13 in der Gesamtwehr, dazu Spezialgeräte wie die Drehleiter, Spreizer, Scheren und Atemschutzgeräte. Die Anforderungen an die Feuerwehr sind viel größer und anspruchsvoller geworden“, schildert Hildolf Schwald. Dazu gehört natürlich auch, dass die Anforderungen an die Feuerwehleute bedeutend gewachsen sind. „In meiner Jugend gab es bei der Wehr etwas, das wir ‚Fremdenführer‘ nannten: der junge Feuerwehrmann wurde von einem erfahrenen Kameraden geführt und lernte das Metier in seiner Gruppe. Heute umfasst das Programm der Grundausbildung alleine 70 Stunden, dazu kommen Spezialausbildungen im Sprechfunk und zum Atemschutz.“ Für die beschriebenen Veränderungen sind 40 Jahre eine relativ kurze Zeit, die den Kommandanten, den Gruppenführern und den aktiven Feuerwehrkameraden viel abverlangten. „Man muss auch beachten“, berichtet Hildolf Schwald weiter, „dass sich auch die Art der Einsätze stark verändert hat. Früher war die Feuerwehr zur Brandlöschung da, heute wird sie gerufen bei Unfällen, bei Wasserschäden, bei Türöffnungen und der Rettung hilfloser Personen. Und früher wäre doch niemand auf die Idee gekommen, wegen eines Wespennestes die Feuerwehr zu rufen.“ Das alles schlägt auf die Kommandanten und natürlich den Gesamtkommandanten durch. „Als ich den Posten übernahm, gab es im Büro zwei Aktenordner als Archiv. Heute sehen Sie im Haus der Sicherheit die Administration eines mittelständischen Unternehmens. Dass dieser gesamte Transformationsprozess enormes Engagement erforderte sowie eine behutsame und kooperative Führung, die jeden einzelnen Feuerwehrmann in dem Prozess mitnahm, versteht sich von selbst. „Es war eine anspruchsvolle Zeit und eine große Herausforderung, die wir als Gesamtmannschaft in der Feuerwehr zum Wohle unserer Mitbürger bewältigt haben“, erklärt Hildolf Schwald.

Natürlich stellt sich nach einer Zeit von 35 Jahren als Gesamtkommandant die Frage nach den ganz besonderen Einsätzen, die sich dem Gedächtnis eingeprägt haben. „Es gab ganz schlimme Erlebnisse, viele Einsätze mit Blut und Tränen“, bestätigt Hildolf Schwald. „Wir tun immer das Bestmögliche, für die eigentliche Situation können wir nichts.“ Bei aller Belastung im Einzelfall, bleibe doch im Rückblick das positive Gefühl, auch in schwierigsten Situationen, den Mitmenschen geholfen zu haben. „Viel lieber denke ich an die Einsätze, die uns eher zum Schmunzeln gebracht haben“, erzählt der scheidende Gesamtkommandant. Die Rettung eines Fuchses aus einem trockenen Swimming-Pool, einer Katze aus der Kanalisation oder in diesem Jahr das Einfangen von Entenküken im Einlaufkanal der Turbine beim Wieswuhr.

Betrachtet man die großen Anforderungen an einen Feuerwehrmann, das gewaltige Ausbildungs-, Übungs- und Einsatzpensum der Feuerwehrleute, dann wird spürbar, dass bei diesem Ehrenamt nicht viel Freizeit für den einzelnen Feuerwehrmann beleibt. „Das ist richtig“, bestätigt Hildolf Schwald, „der Feuerwehrmann opfert einen Großteil seiner Freizeit für den Dienst an seinen Mitbürgern. Und wir sollten achten und ehren, dass er dies ehrenamtlich tut.“ Was veranlasst dann junge Menschen in einer Zeit, die als Freizeit- und vergnügungssüchtig gilt, zur Freiwilligen Feuerwehr zu gehen? Hildolf Schwald wird nachdenklich. „Wir müssen zugeben, dass die Zahl junger Kameraden rückläufig ist. Darum wiegt umso stärker, dass weiterhin, junge Menschen das Engagement in der Feuerwehr suchen. Der Hauptgrund ist sicher der, anderen Menschen in Notsituationen helfen zu wollen.“ Vielleicht mag auch beim einen oder anderen ein bisschen  Abenteuerlust dabei sein. Aber stärker wiegt sicher die ausgeprägte Kameradschaft unter den Feuerwehrleuten. „Für Viele stellt es schon einen Grund dar, einer Gemeinschaft anzugehören, auf der sich jeder voll auf den Kameraden verlassen kann. In der Feuerwehr entstehen Freundschaften fürs Leben.“

Nach knapp 45 Jahren im Dienst der Feuerwehr und der Mitbürger muss man den scheidenden Gesamtkommandanten natürlich fragen, wie die Zeit nach der Feuerwehr aussehen wird. „Ich wusste ja, dass dieser Tag kommt, ich habe den Zeitpunkt selbst festgelegt“, berichtet Hildolf Schwald.  „Trotzdem ist möglich, dass ich in der nächsten Zeit in das eine oder andere Loch falle.“ Auf jeden Fall werde er den in der Vergangenheit eher spärlich in Anspruch genommenen Urlaub nachholen. „Aber auf Sicht werde ich mich sicher wieder irgendwo einbringen und mich für eine gute Sache engagieren“, räumt Hildolf Schwald ein. Ein jahrzehntelanges Engagement im Dienst für die Nächsten, ändert sich nicht mit dem Ruhestand.

Hildolf Schwald

Trat 1967 in die Jugendwehr ein und wurde 1970 in den Aktivdienst übernommen. 1981 wurde er ehrenamtlicher und 2003 hauptamtlicher Gesamtkommandant der Feuerwehr Steinen. Von 1991 bis 2011 war er zusätzlich stellvertretender Kreisbrandmeister. Vor seiner Zeit als hauptamtlicher Gesamtkommandant war Hildolf Schwald Werk- und Berufsschullehrer für Chemiefachberufe. Seit dem 1. Januar 2016 ist Hildolf Schwald im Ruhestand.

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