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Flüchtlinge kicken mit

Der SV Todtnau integriert sieben Gambier und einen Kameruner in ihren beiden Aktivteams

Todtnau (vw). Der SV Todtnau sieht sich als Verein in der Verantwortung Flüchtlinge in das Vereinsleben und in die Gesellschaft zu integrieren. Und deshalb trainieren seit Anfang Februar auch acht Flüchtlinge, die derzeit im Feriendorf untergebracht sind, mit den beiden Aktivmannschaften. Die Integration der sieben Gambier und des einen Kameruners funktioniere bestens, erzählt Matthias Kupferschmidt, Pressewart vom SV Todtnau. „Sie sagen schon selbst ganz stolz, dass sie sich als Teil der Mannschaft fühlen und froh sind, dass sie in Todtnau mit offenen Armen empfangen wurden“, erzählt er. Auch wenn die Zukunft der afrikanischen Flüchtlinge ungewiss sei und sie wahrscheinlich nicht auf Dauer in Todtnau bleiben könnten, versuche man als Verein die Jungs zumindest für eine bestimmte Zeit bestmöglich zu unterstützen. So wurde bereits für den Kameruner Ferdinand eine spezielle Spielgenehmigung für Asylbewerber beim Südbadischen Fußballverband (SBFV) beantragt. Bei allen anderen fehlen dazu noch die nötigen Unterlagen. Die erste Mannschaft hatte  am vergangenen Wochenende bereits ein Testspiel gegen die SpVgg Utzenfeld. Trotz fehlender Spielerpässe, aber nach Absprache mit dem Gegner, durften dabei drei der Flüchtlinge mitspielen und einer von ihnen schoss sogar ein Tor.

Nicht nur beim gemeinsamen Spiel wollen die Spieler des SV Todtnau ihren „Gästen“ Freude und Spaß vermitteln. Abseits des Spielfeldrandes funktioniere die Kommunikation sehr gut, so Kupferschmidt. Die Flüchtlinge seien gewillt, hier ihr frisch gelerntes Deutsch zu präsentieren. Berührungsängste gäbe es nicht. Und in der Kabine tauschen sich alle über die deutsche sowie afrikanische Lebenskultur aus. So sei es auch schon vorgekommen, dass die Afrikaner Bilder von Löwen, Tigern und Nashörnern zeigten, während sie hingegen gar nicht glauben konnten, dass es in Deutschland keine Affen gibt. Auf dem Spielfeld allerdings gestalte sich die Kommunikation etwas schwieriger. Denn hier gehe es unheimlich schnell zu. Deshalb habe der Verein nun Fußballvokabular aufgelistet, welches die Flüchtlinge nun lernen. Motiviert an diesem Projekt sind alle Spieler des SV Todtnau dabei, sie sind es auch, die die Flüchtlinge bei jedem Training vom Feriendorf abholen und wieder zurück bringen. Und die Flüchtlinge warten jedes Mal schon 15 Minuten vorher, denn das Training ist ihnen sehr wichtig. Ein kleines Luxus-Problem gibt es da allerdings noch: Allein in der zweiten Mannschaft trainieren bereits über 20 deutsche Spieler fest im Team, mit den Flüchtlingen stehen schon bald gut 30 Leute auf einer Spielfeldhälfte, auf der anderen Hälfte trainiert die erste Mannschaft. So wird es langsam eng auf dem Todtnauer Sportplatz. Und so wie es aussieht, kommen wohl noch mehr Flüchtlinge hinzu.

Nun sucht der SV Todtnau eine freiwillige Person, die auch abseits vom Trainingsbetrieb mit den Flüchtlingen auf dem Sportplatz trainiert. So könnten immerhin drei, vier Jungs abwechseln in der Mannschaft mittrainieren, während die anderen ein anderes Training genießen. Und auch noch genügend Kickschuhe werden gesucht. Da die Spieler selbst schon Kickschuhe abgaben, kam zwar schon einiges zusammen, dennoch fehlt für einige noch das passende Schuhwerk. „Bisher kickten sie in ihren Winterschuhen, da hast du gar keinen Halt, das kannst du vergessen“, so Kupferschmidt. In dem ohnehin schon multikulturellen Team funktioniere die Integration gut und die Flüchtlinge seien mit Spaß dabei, freut sich auch Trainer Uli Zäh. „Würde ich in ihrer Situation sein, würde ich mir das Gleiche wünschen“, so Zäh.

Foto: In den Aktivmannschaften des SVT trainineren nun sieben Gambier und ein Kameruner. Auf dem Platz wird es derweil eng.

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