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EWS Windpark Rohrenkopf

Seit Ende 2015 entsteht in Schopfheim-Gersbach mit dem EWS Windpark Rohrenkopf der erste Windpark im Landkreis Lörrach. Das Projekt hat ein Investitionsvolumen von rund 29 Millionen Euro. Bei Auftragsvergaben für das Projekt wurde darauf geachtet, im Sinne einer lokalen Wertschöpfung nach Möglichkeit Unternehmen aus der direkten Raumschaft zu berücksichtigen. Bis Ende dieses Jahres entstehen fünf Windenergieanlagen vom Typ Enercon E 115 mit einer Nabenhöhe von 149 Metern und einem Jahresenergieertrag von bis zu 45 Millionen Kilowattstunden. Dies entspricht einem Stromverbrauch von rund 15.000 Haushalten. Durch den Windpark werden jährlich bis 23.000 Tonnen CO2 und bis zu 22 Kilogramm radioaktiver Abfall vermieden.

Gersbach – Rohrenkopf Windräder / EWS Enercon

Gersbach – Rohrenkopf Windräder / EWS Enercon

Die Elektrizitätswerke Schönau eG sind eine Genossenschaft, die aus rund 4.800 Mitgliedern besteht. Seit 1986 setzen sich die Gründer der EWS, Ursula und Dr. Michael Sladek und ihre Mitstreiter für eine „atomfreie und enkeltaugliche Zukunft“ ein und sind Vorkämpfer für eine Energiewende in Bürgerhand. Soll mit dem beschlossenen Ausstieg aus der Atomkraft Ernst gemacht werden, müssen alleine in Baden-Württemberg bis 2022 rund 3 Gigawatt durch Erneuerbare Energien ersetzt werden. Hierzu leistet der EWS Windpark auf dem Rohrenkopf einen wichtigen Beitrag.

Durch Änderung des Landesplanungsgesetzes vom Mai 2012 wurden die vorher geltenden Festlegungen der Regionalpläne zur räumlichen Steuerung der Windkraftnutzung in Baden-Württemberg aufgehoben. Im November 2012 entschied  die Stadt Schopfheim zur Wahrung ihrer Steuerungshoheit einen Teilflächennutzungsplan Wind für ihre Gemarkung aufzustellen. Im Januar 2013 sprach sich der Gemeinderat mehrheitlich dafür aus, künftige Windkraft-Projekte mit den EWS Elektrizitätswerken Schönau zu realisieren. Nach erfolgreichen Windmessungen wurde im September 2014 ein Plan für einen künftigen Windpark Rohrenkopf vorgestellt.

Die Vorbereitungen zur Erlangung der Baugenehmigung nahmen mehr als zwei Jahre in Anspruch. Es musste durch Gutachten belegt werden, dass die Auflagen zum Arten- und Landschaftsschutz  berücksichtigt werden. Weiter mussten wasserschutzrechtliche und hydrogeologische Gutachten vorgelegt werden. Alle diese Gutachten wurden im Rahmen des Genehmigungsverfahrens von den Fachbehörden beim Landratsamt Lörrach geprüft.  Im November 2015 erteilte das Landratsamt Lörrach die Genehmigung nach dem BImSchG (Bundes-Immissionsschutz-Gesetz). Widersprüche gegen diese Genehmigung wurden von den Gerichten als unbegründet abgewiesen.

Fotos zum aktuellen Fortschritt der Baustelle.

Nach Erteilung der Baugenehmigung wurden noch im Winter die Bäume gefällt, um Raum für die Baustellen der Windenergieanlagen und die notwendige Befestigung der Zuwegungen zu den Baustellen zu schaffen. Die Zuwegungen belaufen sich gesamt auf sieben Kilometer, mit einer Breite zwischen 4,0 und 5,5 Metern und einer maximalen Steigung von 21 Grad. Wegen des einbrechenden Winters und der notwendigen Rücksichtnahme auf die Winterpause der Tiere auf dem Rohrenkopf wurden die Bauarbeiten im Dezember 2015 unterbrochen. Der offizielle Baustart mit dem Eingriff in den Oberboden erfolgte Anfang Mai 2016. Zuerst wurden die Wurzelstöcke der gefällten Bäume entfernt und direkt vor Ort für die energetische Verwertung vorbereitet. Die Wegearbeiten und die Vorbereitung der Baustellen wurden fortgesetzt.

Für den Aufbau der Windenergieanlagen wurden zuerst die Fundamente angelegt. Für deren Armierung wurde pro Windrad 100 Tonnen Stahl und 922 Kubikmeter Beton verarbeitet. Der Aushub für die Fundamente wurde im Windpark selbst wieder für die Aufschüttung der Wege und der Kranstellflächen verwendet.

Ab Juli 2016 wurden die Krananlagen für den Aufbau der WEA und die Betonelemente für die Windräder angeliefert. Der Transport erfolgt per Schiff in den Rheinhafen Weil am Rhein und wird dort auf Schwertransporter umgeladen, die über die B 317, dann über Kürnberg nach Gersbach geleitet werden. Die Schwertransporte fahren unter Polizeibegleitung nur nachts zwischen 20 Uhr und 6 Uhr morgens. Ab Ende September werden die Stahlsegmente für die Windenergieanlagen, die Gondel und die Rotorblätter mit einem so genannten Selbstfahrer von einem Spezialunternehmen vom Parkplatz Atzenbach über Atzenbach, Riedichen, Schlechtbach in den Windpark geliefert. Parallel zum Bau der Windenergieanlagen wurde die Stromableitungstrasse mit einer Länge von rund zehn Kilometer vom Windpark in das Stromnetz des EnergieDienst mit Netzanschluss in Häg-Ehrsberg verlegt.

Die Windenergieanlagen bestehen aus dem Fundament und einem Aufbau aus Betonfertigteilen bis zu einer Höhe von 100 Metern. Der Turm besteht aus sechs Ringen, die aus Drittelsegmenten zusammengesetzt werden, aus 17 Ringen in Halbschalen und aus weiteren 5 Vollringen. Darauf werden Stahlsegmente bis zu einer Höhe von 147 Metern aufgesetzt. Für den Aufbau werden drei verschiedene Krantypen benötigt: ein  Raupenkran mit einer Hakenhöhe von 100 Metern, ein Turmdrehkran sowie ein Raupenkran mit Hakenhöhen von jeweils 165 Metern. Auf dem Turm wird die Gondel angebracht, an der die Rotorblätter mit einer Länge von rund 58 Metern befestigt werden.

Die Arbeiten im Windpark liegen aktuell im Zeitplan. Bis Ende 2016 sollen wenn es die Witterung zulässt, alle fünf Windenergieanlagen in Betrieb gehen.

Die EWS verfolgt konsequent das Ziel, Energieerzeugung und -verteilung in Bürgerhand zu überführen. Deshalb wurde schon bei der ersten Vorstellung der Planung des Windparks ein Bürgerbeteiligungsmodell angeboten. Dieses Modell sieht vor, dass Bürger aus der direkten Raumschaft des Windparks die Möglichkeit haben, über eine Bürgergesellschaft nach der Inbetriebnahme, einzelne  Windenergieanlagen selbst zu betreiben. Zudem kann jeder Bürger über eine Beteiligung an der „Elektrizitätswerke Schönau Genossenschaft“ von den bei der EWS verbleibenden Windenergieanlagen profitieren.

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