Alle Artikel in: Wiesentäler Zorz

Popcornfressende Assis

Manchmal ist sich ja unsereins nicht sicher: Hat man einfach den Zug der Zeit verpasst? Da genießt man einen schönen Kinoabend, die Tüte Popcorn ist im Nu vertilgt, der Film nähert sich seinem Finale und schwupps, schon läuft der Abspann mit herrlich schnulzigem Indie Pop. Um uns herum. Das Müllchaos: leere Pappcontainer, Softdrinkbecher, Flaschen, Eistüten, Bonbonpapier, Popcorn unter, auf den, zwischen und neben den Sitzen. Auf gut alemannisch: „Ä Riese Sauerei.“ Erstaunte Blicke. „Mann, hab‘ Dich nicht so Alter“, scheinen sie zu sagen. Ok, ist wohl normal so für alle, den eigenen Scheiß einfach liegen zu lassen. Halt doch von gestern. Dann, auf dem Weg nach draussen am Ausgang stehen zwei freundliche Jugendliche. Sie freuen sich über die leere Tüte, die sich schließlich doch noch zu den einzelnen Flaschen im eigens von ihnen bereit gehaltenen Müllbehälter gesellt. „Normal? Na, ja für uns inzwischen schon. Wir putzen halt jetzt alles weg. Dafür sind wir angestellt, froh über den Job.“ Nach einigem Zögern fügen sie hinzu: „Na ja, schon irgendwie asozial. Aber ist halt so.“ Aha. Asozial. Ist halt …

Die spinnen, die Europäer.

Stimmt schon, was kümmert es ein kleines, wehrhaftes Tal in den Tiefen des Schwarzwaldes, wenn die Kommissare der europäischen Regierung wieder eine, neue verrückte Bestimmung erlassen. Aber jetzt zur Weihnachtszeit, wenn sich’s so schön gemütlich hinterm Ofen sitzt, die Buchenscheite aus den Wiesentäler Wäldern knacken und wir „ä Viertele in Ehre sürpfle“ und auf dem Tisch – noch – eine schöne Wachskerze ihr gemütlich warmes Licht verbreitet, ja, dann ganz plötzlich sind uns die Brüsseler und ihre Regelungswut doch ganz nah. Denn womöglich ist es bald vorbei mit der Gemütlichkeit. Der Ofen ist ja schon in Verruf geraten ob seiner Feinstaub-Emissionen. Jetzt soll’s laut dem Willen einiger Brüsseler Bürokraten, die offensichtlich zu wenig Arbeit haben, der Kerze an die Flamme gehen. Über vier Seiten plus fünf Seiten Anhang sind zu diesem „brennenden Problem“ offensichtlich verfasst worden. Demnach sind Sicherheitsanforderungen „für Kerzen, Kerzenhalter, Kerzenbehälter und Kerzenzubehör“ bis ins Detail festgelegt. Laut „Bild“ wird vorgeschrieben, dass Kerzen „während des Abbrennens stabil bleiben“ müssen. Außerdem müsse die Verbrennungsgefahr durch das Berühren der Kerze „so gering wie möglich gehalten werden“. Die Flamme dürfe …

Öffentliche Straßenpisser

„Männer sind Schweine“ singen die Ärzte. Ist wohl was dran – denkt sich der oder die eine, wenn er oder sie durchs Wiesental kurven. Und an der einen oder anderen Ausbuchtung der B 317 Männer sieht die Wasser abschlagen. Aber nicht etwa diskret hinter einem Baum, oder etwas abseits am Ende der Böschung. Nein, der zivilisationsmüde, schamlose oder einfach ungehobelte Mann stellt die Stange Wasser direkt neben, hinter oder vor dem Auto ins Eck. Vielleicht pisst er ja sogar direkt an den Reifen. Aber so genau will man’s dann gar nicht mehr wissen. Schließlich gab’s vor kurzem ein „Nahpiss-Erlebnis“: Wollte doch tatsächlich am helllichten Tag ein vom Drang Geplagter seine Notdurft in der heimischen Garageneinfahrt verrichten. Der zugegebenermaßen nicht zitierfähige Zuruf aus dem Küchenfenster hat Schlimmeres verhindert. Es stimmt schon, das Zusammenleben wird zunehmend schwieriger, wenn der Konsens darüber verloren geht, was sich gehört und was nicht. Aber machen wir es nicht unnötig kompliziert und sagen’s kurz und bündig: „Verpisst Euch, ihr öffentlichen Strassenpisser“.

Hundemäßige Sauerei …

Zugegeben: Vermintes Terrain. Denn die Lobby der Hundebesitzer ist deutlich besser vernetzt als die des Kinderschutzbundes. So stelle man sich vor, was los wäre, wenn jedes Kind am Wegesrand im Walde, oder im Stadtpark, oder auf dem Schulparkplatz … na ja, Sie wissen schon. Doch wenn Struppi, Pacco oder Leila für große Hunde müssen, dann ist das absolut ok. Die können einfach nicht anders, die Armen. Und Herrchen und Frauchen wollen auch nicht so weit laufen. Mal ehrlich, schließlich ist es ja auch verdammte Elternpflicht, seinem Nachwuchs die Hundescheiße aus den Schuhsohlen zu kratzen. Und Katzenscheiße im Sandkasten oder im heißen Sand des Beachvolleyball-Platzes – na, ja wer wird denn auch so ein Spießer sein. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. Weil es auf der nach oben offenen Skala der Rücksichtslosigkeit (oder ist es … ?) offensichtlich immer weiter nach oben geht, findet man auf den einschlägigen Gassi-Pisten des Wiesentals jetzt immer öfters schöne orangebunte Plastiksäckchen. Manchmal verschämt hinter einer Himbeerstaude, manchmal ganz majestätisch auf einem Stein. Da liegen sie dann. Und wenn sie keiner wegräumt, noch …

Willkommenskultur ist Schwachsinn

Im Wiesental und anderswo gilt – „Willkommenskultur“ ist Schwachsinn. Sprachlich und inhaltlich. Und daran ändert auch nichts, dass alle davon reden. Warum? Weil dieser verquere „Politikersprech“ den Blick auf die Wirklichkeit verstellt und Ehrlichkeit in einer notwendigen politischen Diskussion und bei einer zu erwartenden gesellschaftlichen Veränderung unterbindet. „Willkommen“ sind nämlich Gäste. Gäste allerdings kommen freiwillig, sie sind in der Regel eingeladen und die Gastgeber bestimmen Ihre Zahl und den Zeitpunkt des Kommens. Und sie gehen in der Regel wieder. Nichts von alledem trifft zu auf die Flüchtlinge, die gegenwärtig nach Europa und im Besonderen nach Deutschland strömen. Das Bedeutungswörterbuch beschreibt den Begriffsursprung mit „willekome“, also wurzelnd in „Wille“ und „kommen“, letzteres wohl partizipial und demnach etwa „nach Willen angekommen“, also „als Gast erwünscht und gewollt“. „Gern gesehen“, „erwünscht“ und „angenehm“ sind so die vorgeschlagenen Synonyme. Passt wohl irgendwie nicht zu überfüllten Notunterkünften, rollenden Todesfallen und brennenden Asylunterkünften. Aber Pfarrer, Politiker und Schauspieler – und leider auch viele Journalisten – mögen das Wort trotzdem. Weil sich damit wunderbar die Wirklichkeit verschleiern lässt: Zum Beispiel, dass es …